Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Begriff und Aufgabe der jüdischen Theologie
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 10)
- Language
- German
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12 Max Wiener einen Seite und Gabirol oder gar Maimuni auf der anderen sind starke Größenabstufungen in jener Distanz. Aber trotzdem ist ein Dualismus nicht zu übersehen: Hiei ein Humanismus, universal die menschlichen Vernunftwesen schlechthin umspannend, daß Maimuni die jüdische Religion mit der wahren Philosophie eins setzt; dort in der Gesetzeslehre, mibeschadet der auch in ihr enthaltenen humanen Moral, in der Hauptsache die Lebensnorm eines ausdrücklich aus der menschheitlichen Totalität herausgehobenen Ausschnitts, wobei zu beachten ist, daß diese Gesetzeslehre wohl in Ausführung und Verknüpfung mit juristischer Logik verfährt, aber ihre gewaltige rationale Ausladung auf die gerade hier völlig undurchsichtige Offenbarung basiert. Denn es liegt auf der Hand, daß ahe Bestrebungen, ,,die Gründe der göttlichen Gebote“ ausfindig zu machen und auf diesem Wege die Einheit zwischen Glaubens- und Gesetzeslehre herbeizuführen, nur dem etwas sagen können, der von ihrer Verbindlichkeit schon vorher überzeugt ist, ganz abgesehen davon, daß religionsgesetzlich das Motiv für ihre Erfüllung nicht ihre rationale Evidenz, sondern allein das sie gebietende Gotteswort sein darf. Wir sehen keine dringendere Aufgabe für die Grundlegung einer jüdischen Theologie, als diesen Dualismus zunächst einmal deutlich zu erkennen und anzuerkennen. Er verdankt seinen Ursprung dem für das Judentum einzigartig charakteristischen Ineinander von partikularem Religionsvolk und universalen Ideen. Die geschichtliche Genesis dieses Tatbestandes ist klar. Ein anderes aber ist die Frage, wie diese Elemente aufeinander abgestimmt und zu befriedigender Ordnung gebracht werden können, daß religiöses Denken und Fühlen in ihrer haimonischen Einheit zur Ruhe kommt. Bei den Alten konnten Halacha und Haggada neben einander stehen, weil die Selbstverständlichkeit eines Lebens etwa aufkommende widerstreitende Empfindungen bald zum Frieden brachte. Für uns liegt es anders. Denn wie mannigfache Anregungen auch für unseren Glauben die Haggada enthalten mag, wir verlangen eine überzeugende begriffliche Klärung, die Gesetz und Weltanschauungslehre gemeinsam umfaßt. Wir sind längst aus der Selbstverständlichkeit vegetativen Lebens geweckt. Ausgehen muß jede Lösung von der uns sicheren Basis, daß wir die partikulären Träger eines universalen Geistes