Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Begriff und Aufgabe der jüdischen Theologie
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829991-2829993-2849745--51737-2849787- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Begriff und Aufgabe der jüdischen Theologie 11 wenn wir unser Augenmerk auf die theologische Reflexion der Religionsphilosophen, besonders des Maimuni lichten. Diese Spekulation hat in ihrem Ansatz und ihrer Zielrichtung mit der christlichen das gemein, daß sie von vornherein universal bestimmt ist. Das heißt, ihr Ziel bildet die Ermittelung der Wahr־־ heit über Gott und den Menschen schlechthin. Von Maimuni speziell könnte man sagen, daß er sich die Aufgabe stellt, ,,die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums“ abzuleiten. Man muß diesen Universalismus, der vom menschlichen Individuum schlechthin und seiner Einordnung in den Zusammenhang des Seins ausgeht, von dem vielleicht messianisch zu nennenden der Propheten unterscheiden, in deren Blickfeld vor allem die in ihren Volksindividualitäten sich zur Einheit zusammenschließende Menschheit steht. Dasselbe lehrt ein Vergleich zwischen den Antipoden Maimuni und Juda Halewi. Da fällt nun auf, wie die universal gemeinte Lehre von Gott und den Menschen fast unabhängig von der Gesetzestheorie sich ausbreitet, die doch auch für die philosophierenden Persönlichkeiten nach dem Typus Maimuni die selbstverständliche Atmosphäre der eigenen Prömmigkeit ausmacht. Gewiß widerspricht der More Nebuchim nicht der Jad Hachasaka in ausgeführten Sätzen; aber ein System bilden sie nicht. Und man könnte das bis auf Mendelssohn, ja bis auf die spekulativen Versuche des 19. Jahrhunderts hin verfolgen, daß das, was für das wirkliche Leben der Juden den Ausschlag gab, die religionsgesetzlich normierte Frömmigkeit, im theologisch-religionsphilosophischen Grundriß keine überzeugende Einordnung empfängt, ja oft kaum angedeutet wird. So konnte es: geschehen, daß mitten im Kampf um die moderne Reform die Steinheim, Samuel Hirsch, Formstecher und auch Hermann Cohen im wesentlichen der Linken wie der Rechten genehm waren. Wir haben also folgenden Sachverhalt: den bedeutsamen religionsphilosophischen in theologisch-systematischem Sinne gemeinten Versuchen steht die biblisch-rabbinische Gesetzeslehre gegenüber, in der das, was im Judentum zu aller Zeit als die Substanz des religiösen Lebens empfunden ward, enthalten ist. Diese Kluft ist gewiß nicht überall gleich weit: Zwischen Saadia oder Jehuda Halewi, vielleicht auch Crescäs und Albo auf cler