Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Begriff und Aufgabe der jüdischen Theologie
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 7)
- Language
- German
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Begriff und Aufgabe" der jüdischen Theologie 9 bare Glieder im Grundverhältnis Gott-Mensch ansehen, die jüdische Wahrheit als ablösbar darüber schwebend, und in solcher Freizügigkeit der Idee Tugend oder Stärke erblicken wollte. Man soll auch nicht den in der Tat ungeheuerlichen und paradoxen Anspruch der jüdischen Offenbarung rationalistisch oder geschichtsteleologisch wegretuschieren, sich aus ,,Universalismus'f ihrer als anstößigen Ärgernisses schämen. Wii haben vielmehr ihre richtunggebende Wirkung in Selbstbewußtsein und Geschichte unserer Religion anzuerkennen, wenn wir nicht die zweitausend Jahre unseres Lebens seit der Ablösung der chiistusgläubigen Juden von unserem Stamme als einen Irrtum bedauern wollten. Aber nicht darum handelt es sich bei all dem, daß das jüdische Volk seine Religion aus sich heraus geboren hat, was ja eine Binsenweisheit.ist. Vielmehr verlangt die jüdische Religion unbeschadet alles Lebensrechtes, aller Glückseligkeit, vielleicht sogar aller Gottesnähe, die sie bereitwilligst den anderen zuerkennt, diese bestimmte Gruppe von Menschen als ihre Bewahrer und Hüter. Volk und Gott gehören immer so zusammen, wie in den Tagen des Mose oder des Hosea. Die Folgen dieser ursprünglichen Bestimmtheit sind für den Grundriß einer jüdischen Theologie von ausschlaggebender Be״־ deutung. Christen, welche die Gehässigkeit oft blind macht, aber zuweilen nicht so blind wie apologetisch eingestellte Juden, wollten daraus schließen, daß man für das Judentum nicht eigentlich eine Theologie in Anspruch nehmen daif. So verzeichnet auch die gewiß nicht böswillige Enzyklopädie, ״die Religion in Geschichte und Gegenwart“ zwar eine evangelische und eine katholische Theologie, vermeint aber, daß im Judentum an diese Stelle das Gesetz getreten sei (2V 1115). Ein wichtiges Symptom der aktuellen Geisteslage ist es auch, wenn nationalistische Schriftsteiler aus jüdischen Quellen entdecken wollen, daß es im Judentum keine Theologie, sondern eine Soziologie gebe. Diese letztere Bemerkung taucht im Zusammenhang mit der Polemik gegen den Marxismus auf, der nicht durch die zufällige Persönlichkeit seines Schöpfers, sondern aus dem Wesen absolut diesseitig gestimmter Gesinnung zu erklären sei. Hier wird ,,Diesseit;gkeit“ mit einem nebelhaften Materialismus und beides mit dem wahren Charakter des Judentums eingesetzt. Das geschieht aus dem