Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Begriff und Aufgabe der jüdischen Theologie
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 6)
- Language
- German
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8 Max Wiener liehen Persönlichkeit. Aber man muß elnsehen, wie spezifisch jüdische Religiosität sich am Gemeinschaftsgefühl des Volkes entzündet, dessen Kinder sich bis auf diesen Tag als die Abkömmlinge der Erzväter wissen, als die verwandten Brüder und Schwestern in einem auserwählten Stamm, zu dem Gott in besonderer Weise gesprochen hat. I. Heinemann stellt in seiner Abhandlung ,,Die griechische Weltanschauungslehre bei Juden und Römern" (Philo-Verlag 1932) jüdisches und römisches Gemeinschaftserlebnis einander gegenüber. Unter Bezugnahme auf die teilweise von mit selbst (״Jüdische Frömmigkeit und religiöses Dogma" MGWJ 1923/24) ausgesprochenen Gedanken macht er darauf aufmerksam, wie die Hingabe an die engere Gemeinschaft im höchsten Grade zur Ausbildung persönlicher ethischer Werte führt. Denn in der Tat, wo die Gemeinschaft auf göttlicher Berufung und Weihe beruht, die jedem einzelnen Volksglied das Joch der Gebote auferlegen, wo der jedem Individuum sich öffnende Sinn der Auserwähltheit in der klar einzusehenden Verpflichtung auf das Gesetz gegründet ist, da gibt es keine graue Masse ununterscheidbarer Namenloser; sondern die gemeinsame Ehre vor Gott bürdet auf jeden die nicht abzuwälzende persönliche Forderung des göttlichen Willens. Gottes berit ist dem Ganzen, dem Volke zugekehrt; aber sein Anspruch an den Willen mobilisiert, wie nicht anders möglich, die Individuen. So ist persönliche Frömmigkeit nicht bloß möglich in diesem System der Offenbarung Gottes an die Totalität eines Volkes, sondern sie wird gerade durch die Grundhaltung des religiösen Urfaktums verlangt. Aber der Ghaxakter des ursprünglichen Ereignisses, daß es die Zusammenfassung eines Volkes ist, zu dem Gott spricht, läßt sich aus aller folgenden Geschichte nicht herauslösen. Man hat den Universalismus der reifen jüdischen Gotteslehre anzuerkennen wie den ihres Sittengesetzes, Toleranz gegen die Frommen der Völker, die messianische Tendenz zum Blick auf die Menschheit. Wir mögen die Träger der entschränktesten humansten Ideen sein. Aber es ist konstitutiv für die jüdische Religion, daß diese Trägei integrierender Bestand ihres Wesens sind. Denn nur in dem nie aufzugebenden Wechsel Verhältnis zwischen Gott und Israel hat unsere Lehre Geltung. Es wäre Oberflächlichkeit und Mißverständnis, wenn man die ״Bekenner" als auswechsel-.