Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 1 · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 1
Article
Begriff und Aufgabe der jüdischen Theologie
Date
1933-01-01
Page
Seite 7 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829991-2829993-2849745--51733-2849783
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Begriff und Aufgabe der jüdischen Theologie 7 S. 225 ff.) dargelegt worden, den Glaubensgehalt des Judentums in ״festumrissenen Dogmen" einzuschließen.j J. Guttmann, der seinen Beitrag mit bezeichnender Vorsicht ״die Normierung des Glaubensinhalts im Judentum" betitelte (Bd. 71, S. 241 ff.), wies darauf hin, daß dieser Mangel nicht so sehr mit der Art des Aufbaus der jüdischen Religionsgemeinschaft wie mit dem Inhalt der jüdischen Religiosität selber zusammenhängt (S. 251). In diese Diskussion wollen wir uns hier nicht einschalten, Vielmehr in grundsätzlicher Feststellung der Frage nachgehen, ob und wie in der Urkonzeption der biblisch-jüdischen Religion, das heißt in der den Glauben gestaltenden Offenbarung der Grund dafür liegt, daß der Drang nach formulierten Erkenntnissen über Gott und־ göttliche Dinge im Hintergrund des religiösen Interesses bleibt. Der Aufschluß darüber wird sich für den prinzipiellen: Aufbau einer jüdischen Theologie als fruchtbar erweisen und zugleich zeigen, wie dort, wo innerhalb unserer Religionsgeschichte die ernstesten Versuche zu einer Normierung der jüdischen Glaubenslehre gemacht worden sind, in der klassischen Religions- Philosophie des Mittelalters, ein deutliches Abbiegen von der ursprünglichen Linie vorliegt. Es ist also nach dem zu suchen, was dem Juden in seiner ganzen Geschichte als der formulieibare Kern der biblisch-jüdischen Offenbarung aufgegangen ist. Die Antwort kann nur in dem Hinweis auf den Gedanken der berit beruhen, die als der tragende Grund alles Wissen um Gott und alles Handeln des jüdischen Menschen bestimmt. Alle als geoffenbart geltende Ethik, sie sei partikular oder universal, alles Fragen nach einem weit umspannenden "Sinn .der Auserwählung Israels, alle Spekulation darüber, ob Ritus und Zeremoniell nur eine Hülle für den göttlichen Endzweck sein oder an sich sakramentale Bedeutung hätten, alle, Rede von einer so odei so zu verstehenden Mission Israels an, die Völker, all das steht zurück hinter der Grundtatsache der. Selbstdarreichung Gottes und der Inpflichtnahme des Volkes, wodurch dauernd die Sondei Stellung dieses bestimmten Aus- Schnittes aus der Menschheit begründet wird.. Damit charakterisiert sich jüdische Theologie als die Theologie einer Gemeinschaftsreligion. Diese steht nicht in abweisendem Gegensatz zum Individualismus der frommen; selbstverantwoit-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.