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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 1 · p. Seite 4

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 1
Article
Begriff und Aufgabe der jüdischen Theologie
Date
1933-01-01
Page
Seite 4 (sequence 2)
Language
German
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4 Max Wiener sondern lediglich das ist gemeint, daß die Offenbarungsreligion und die mitten in ihr ihren Standort nehmende Theologie sich der einzigartigen und grundlegenden Bedeutung der göttlichen Selbstmitteilung bewußt sind. Ihr Verhältnis zu dem, was sich außerhalb ihres Kreises abspielt, ist erst eine zweite, abgeleitete Frage. Begreifen wir aber so die Theologie als die Reflexion über das religiös Geglaubte innerhalb der Offenbarungslehre, so ist klar, daß die ihr obliegende Verdeutlichung des Geoffenbarten dieses nicht durch Verwissenschaftlichung irgendeinem anderen Geistigen, was uns angeht, nivellieren darf. Man kann nicht über Gott und seine Rede an die Menschen oder über Sünde innerhalb derselben Schicht von Begriffen sprechen wie über Ur- Substanz oder über die Erklärung der Menschenrechte oder über Kriminalpolitik. Man muß sich von Haus aus des paradoxtranszendenten Charakters, den dieser Einbruch des sich offenbarenden Gottes bedeutet, bewußt bleiben. Mit der Kennzeichn nung als ״irrational" wäre hier nichts gesagt. Denn das ist von relativem Sinn. Irrational sind tausend Dinge in der unzweifelhaft rein menschlichen Sphäre uns geworden: Instinkt, Blut, oftmals Forderungen von Sitte und Sittlichkeit, Monarchie, Machtstaat usw.; und umgekehrt gibt es in der anderen, der theologischen Reihe, selbstverständlich auch einen durchaus legitimen Platz für die ratio, so wenn wir logisch und theologisch gleichberechtigt Gott zum Urheber alles Seins machen oder des gewiß sind, daß seine Offenbarung die Anweisung zum sittlichen Leben mindestens auch enthalten müsse. Aber als religiöse Menschen, als Gläubige im Sinne der Offenbarungsreligion sind wir überzeugt, daß Gott kein ignoramus, noch auch ignorabimus im Sinne weltzugekehrter Erkenntnis ist, nicht der für unseren zu kleinen Verstand zu große Gegenstand, sondern daß seine Nichtdurchdringbarkeit und Nichterreichbar״ keit sein Wesen wie seine Beziehung zu uns qualitativ bedingt, daß er das Transzendente ist, das uns von sich her Kunde gibt, sich uns schenkend. Wird er damit nicht zureichend gekennzeichnet, so doch genugsam in der Bedeutung, um die Eigenart einer gläubig hingenommenen: Religion und ihrer Theologie zu charakterisieren.

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