Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 1 · p. 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 1
Article
Begriff und Aufgabe der jüdischen Theologie
Date
1933-01-01
Page
3 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829991-2829993-2849745--51729-2849779
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Begriff und Aufgabe der jüdischen Theologie. ... Von Max Wiener. Man kann sich des besonderen Sinnes einer theologischen Erkenntnis am ehesten bemächtigen/wenn man den Unterschied zwischen ihr ־and der Religionswissenschaft im allgemeinen zur •Klärung bringt. Die Religionswissenschaft, zu der man in einer solchen Gegenüberstellung die Geschichte, die Philosophie, die Psychologie und Soziologie der Religion rechnen mag, schließt sich als ein Forschungsgebiet von bestimmtem sachlichen Inhalt mit anderen Erkenntniskreisen von je besonderen Gegenständen zum Universum des Wissens zusammen. Für sie als Wissenschaft ist Religion ein Objekt, so wie andere Zweige der Gegenstandsergründung auf andere, auf die ihnen zugeordneten Objekte gerichtet sind. Sie verfährt konstatierend, die religiösen Erscheinungen feststellend, Tatsachen und Zusammenhänge von Tatsachen aufdeckend, ge- •wiß weitsetzend und wertbeziehend, aber so in analoger Weise sich entfaltend wie. andere Bezirke der Erkenntnis, die sich mit seelischen und geistig-geschichtlichen Dingen abgeben. Der Begriff der Erfahrungserkenntnis, unter den sie fällt, gliedert ihren Gegenstand dem allgemeinen Kosmos möglicher Erfahrungen ein, duldet nicht oder übersieht doch grundsätzlich’ einen besonderen Anspruch des Religiösen, der diesen Seinsbereich aus der Sphäre sonstiger Realität als völlig eigengeartet heraushebt. Anders die Theologie. Sie steht von vornherein auf dem Standpunkt, daß es sich bei der Religion um eine Provinz geistigen Lebens handelt, die ihier Sinnbedeutung nach sui generis ist. Denn indem der Begriff der Offenbarung dem Wissen der göttliehen Dinge zugrunde gelegt wird und die Theologie diese Grund- Voraussetzung bejaht, taucht hier ein Element auf, ewig jenseits dex Ebene bleibend, auf der alle sonstige Erkenntnis und alles andere geistig-seelische Dasein zu Einheit und Totalität zusammengeschlossen ist. Mit dieser Hervorhebung des' Offenbarungsgedankens soll nicht gesagt sein, daß es nicht außerhalb des Offehbarüngsglaubens echte Frömmigkeit geben kann, nicht einmal, daß die Offenbaruhgsreligion nicht jenseits ihrer Grenzen ernstes und redliches,, ja, bis zu einem gewissen Grade sogar erfolgreiches Streben um Gotteserkenntnis anzuerkennen vermag;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.