Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension] / Schlesinger
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 3)
- Language
- German
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92 Besprechungen nach Angleichung an die europäischen Literaturen in formeller wie inhaltlieber Hinsicht. Entgegen der zumeist vertretenen Auffassung betont Kl., daß trotz der wosensmäßigen Profanbeschaffenheit der neuhebräischen Literatur von einer Religionsfeindlichkeit derselben nicht die Rede sein darf. Nur die Schriftsteller der 3., ,,realistischen“, Periode zeigen allerdings eine solche Haltung, während die Meaßfim eine durchaus positive Stellung einnehmen und sich lediglich gegen Auswüchse, abergläubische Bräuche und dergleichen wenden, die Schriftstellerder 2. Periode einen Ausgleich zwischen Religion und ,,Moderne“ anstreben. — Mir scheint hier ein viel schwierigeres Problem vorzuliegen, das auf so einfache Weise sich nicht erledigen läßt. Es kommt nicht darauf an, ob die einzelnen Schriftsteller religionsfreundlich oder -feindlich sind, sondern die Frage lautet: verträgt sich die ,,Weltlichkeit“ des neuen hebräischen Schrifttums überhaupt, der Wille und die Bestrebungen, eine grundsätzlich allgemein-nationale, d. h. völlig areligiöse hebräische Literatur zu schaffen, in der es natürlich auch Werke religiöser Art gibt, die aber eben selbst außer jeder Beziehung zur Religion und• religiösen Überlieferung bleibt, mit dem geschichtlichen Begriff und Wesen des Judentums? Es handelt sich um die Frage der ,,Säkularisierung des Judentums“ angewandt auf das Sondergebiet der Literatur. Ein Problem, das gerade in dieser Besonderung kaum noch eingehende Bearbeitung erfahren hat. — Als den Vater der neuhebräischen Literatur betrachtet Kl. im Gegensatz zu den meisten anderen Forschern nicht den seiner ganzen Geistesart nach durchaus der alten Zeit angehörigen M. Ch. Luzzatto, sondern Herz Wessely. Freilich gehen die ersten Anregungen von Mendelssohn aus, der schon 150ל eine hebräische Wochenschrift Koheleth Mussar schuf. Da er aber seine Hauptwerke in deutscher Sprache schrieb, so steht nicht er, sondern der ihm gegenüber recht unbedeutende Wessely an der Spitze der neuhebräischen Literaturepoche. Dessen Divre Schalom und die außerordentlich einflußreichen Schire Tifereth eröffnen die hebräische Neuzeit. In fünf Kapiteln werden ausführlich Leben und Werke Mendelssohns, Wesselys und der bedeutendsten Meaßfim behandelt, wobei auch die politische und geistige :Lage der1 nicht jüdischen Umweit und die Einflüsse der europäischen Literaturen gebührende Berücksichtigung finden. Besondere Sorgfalt wird verwandt auf die Darstellung der sprachschöpferischen Leistungen der verschiedenen Schriftsteller. Die zwei Schlußkapitel geben nocli einen Überblick über die zeitlich und geistig den Meaßfim zuzurechnenden hebräischen Dichter und Schriftsteller in Italien und Frankreich, von denen Efräim Luzzatto, S. Romanelli, Eliahu Cli. Halevy (mit1 seinem Gedicht Haschalom), der Vater des Komponisten der ,,Jüdin“, eingehendere Würdigung erfahren. Kleinere Textproben sind jeweils dein Ganzen eingefügt. Das Bibliographische versteht sich bei der bekannten Belesenheit des Verf. von selbst. ' Das Büch ist aus Vorlesungen hervorgegangen, die Kl. an der Hebr. Universität Jerusalem gehalten hat; Er weiß um die Verantwortung, die er