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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 1 · p. Seite 91

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension] / Schlesinger
Date
1932-01-01
Page
Seite 91 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Besprechungen 91 Gelüste und eben deshalb zuletzt ihrer Blasiertheit, Übersättigung und Leere, bildet den Wurzelboden Schneurs. Die Mängel der Großstadt, doch auch ihre Vorzüge, haben ihn geformt, der zweifellos die weitesten Horizonte aufweist und dessen Dichtungen in letzte Probleme hinabtauchen. Kahan erscheint als der Dichter, der ätherische Zartheit mit starker Realistik zu verschmelzen weiß, der aber vor allem durch eine besondere Art kindlicher Naivität sich aus zeichnet: er sieht alle Dinge wie zum erstenmale, wie wenn er als erster Mensch geboren wäre. Schimonowitz schließlich ist der Dichter der unpathetischen Wahrhaftigkeit, Echtheit, Innerlichkeit, der ernst und ehrfürchtig vor allem Großen und Heiligen steht, nicht zuletzt vor der Erhabenheit und Schönheit des Landes Israel und des neuen Lebens dort. Klausner versteht es, außerordentlich lichtvoll die oft infolge ihrer gedanklichen Tiefe nicht leicht faßlichen Erzeugnisse unserer ״Schaffenden und Bauenden“ zu erhellen, und so erst ganz zugänglich zu machen. Icli denke etwa an Bialiks ,,Flammenrolle“, an manche Naturge dichte Ts ehernichowskys und sein erst kürzlich im Druck erschienenes Drama ,,Bar Kochba“, an einige'der großartigen ״Poeme“ Schneurs. Selbstverständlich finden die Dichtungen jüdischen Inhalts bzw. die sich daraus ergebende Stellung der einzelnen Dichter zur jüdischen Religion und Weltanschauung besondere Würdigung. Eine völlig zureichende Behandlung dieses wichtigen Themas erforderte allerdings eindringendere Spezialuntersuchungen.. Auch darauf sei noch hin ge wiesen, daß das Buch eine Fülle ästhetischer, psychologischer, weltanschaulicher Ausführungen enthalt, über die viel zu sagen ,wäre. Hierher gehören z. B. die jedenfalls stets sehr anregenden Erörterungen über den Unterschied zwischen Dichter und Prophet, rein, darstellendem und denkerischem Dichter, über Nationalismus und Universalismus, ״Judentum und Menschentum“ (ein früheres Werk des Verf. trägt diesen Titel) usw. ״,.• Eine gute Gabe hat. Klausner den Freunden neuhebräischer Dichtung gereicht und sie werden ihm dafür Dank wissen. Von anderer Art und höhere Ansprüche stellend, ist das Buch, das Klausner dem soeben betrachteten unmittelbar nachfolgen läßt: der erste Band einer streng wissenschaftlich gerichteten ״Geschichte der neuhebräischen Literatur“. Er behandelt die Zeit der Meaßfim von 1781—1826, dem literarischen Hervortreten Wesselys, bis zum Erscheinen der ״Bikkure Ilaittim“. Das entspricht allerdings nicht ganz der Einteilung der neuhebräischen Literaturgeschichte, die Kl. selbst vornimmt. Er zerlegt sie nämlich in drei Abschnitte : die rationalistische oder pseudoklassische Periode von 1781—1830, die romantische bis 1850, die realistische bis 18,81., Von da an. dem Auftreten der.Chibath Zion und weiterhin Aqhad Haäms, be: ginnt ihm die ״Gegenwart“, die noch nicht historisch, d. h. objektiv wissenschaftlich, erforschbar ist. . Unterschieden wird das neunebräische. Schrifttum vom früheren durch die. Merkmale der Weltlichkeit, der Aufklärungstendenz und des Strebens

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