Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über Judas Ischariotes in der jüdischen Legende
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
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Über Judas Ischariotes in der jüdischen Legende 41 (S. 238—242)/ ,,Für Typus de Rossi ist das Wort für ,,Pabst“ bezeichnend (oben S. 200), welches vor dem 10. Jahrhundert nicht nachweisbar ist.“ Die slawischen Rezensionen erweisen sich durch die Erwähnung der Feuerwaffen (oben S. 20) für jung, führt Krauß S. 247 selbst aus. Ebenso lehrt er selbst, ,,Version Huldreich kann . . . nicht vor dem 12. Jahrhundert verfaßt worden sein“ (247). Bliebe noch die aramäische Fassung, welche Krauß (REJ X 1911 LXII, 37) auf Grund eben des Aramäischen in frühgaonäische Zeit versetzt. Nun aber ergeben Ginzbergs auch sprachgeschichtlich eingehende Untersuchungen, daß wir es hier keineswegs mit einem lebenden Aramäisch, sondern mit einer aramäischen Misch- und Kunstsprache zu tun haben, auf welche eine Zeitbestimmung nicht gegründet werden kann. Zur Not könnte man ja alles Sachliche und Sprachliche (z. B. romanische Glossen), das spätere Zeit bezeugt, als nachträgliche Einschübe erklären und sich mit Prof. Krauß hinter die Annahme eines Ur-Tholdoth verschanzen. Hier aber setzen Paul Lehmanns Forschungen zeitbestimmend ein. Welche Bestandteile sind einem Ur-Tholdoth woh] zuzumuten? Gewiß doch der Gegensatz zwischen Judas und Jesus, der Wettflug, die Verbergung des Leichnams. Nun aber entfaltet sich die über Evangelium und Apostelgeschichte weit hinausgehende Judas-Legende erst seit dem 11. und 12. Jahrhundert ,,aus der Stimmung der Zeit ..... ist das Auf schießen der Judaslegenden im 11. bis 12. Jahrhundert zu verstehen“ (Lehmann S. 313). Es ist die Zeit, wo die * Kreuzzugs- Stimmung sich entzündet und auflodert. Nicht die unbeglaubigte Disputation zur Zeit Sylvesters I. (4. Jhdt.), sondern die durchaus wahrhaftigen Glaubensverfolgungen im Zeitalter der Kreuzzüge haben die Tholdoth-Gesinnung geweckt. Nachdem die Juden jahrhundertelang zu hören bekamen: Ihr habet Christum gekreuzigt, wurde ihnen nun eine neue Anklage entgegengeschleudert: Der Jude ist der Judas, der Verräter des Heilands1. Die Juden, 1 Es wäre erwünscht, festzusetzen, wann Judas in der Kirche als Vertreter des Judentums zu gelten begann. ,,Schläger in ZNW 1915, S. 55 ff. weist darauf hin, daß in Apgsch, abgesehen von dem sagenhaften Bericht l15-26, immer dem jüdischen Volk das Tcapaotoovai zugeschoben wird (vgl. auch 7 52לcpo^dTa1).£l Frdl. Mitteiluug des Herrn Prof. Preisker- Breslau an die Schriftleitung.