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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 1 · p. Seite 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 1
Article
Über Judas Ischariotes in der jüdischen Legende
Date
1932-01-01
Page
Seite 40 (sequence 8)
Language
German
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40 Bernhard Heller Ur-Tholdöth, das in alter jüdischer Überlieferung lebte, glaubt, ,,daß wenigstens der Stoff des Büchleins, wenn auch nur im mündliehen Verkehre von den Juden Arabiens behauptet und verbreitet worden sein muß", S. 198. Damit hätten wir das Tholdoth spätestens für Anfang des 7. Jahrhunderts angesetzt. Diese kühne Zeitansetzung ruht aber auf der überaus schwachen Grundlage, daß im Koran (4155) die Juden verflucht erscheinen, weil sie Maria lästern. Derartige Lästerungen gehen aber dem Tholdoth lange voraus. Jedoch Krauß wird noch kühner. Daraus, daß der Tholdoth-Schreiber über den Nestorianismus unterrichtet ist, über die spätere Kirchengeschichte nicht, folgert Krauß (235 i): ,,darüber hinaus reicht sein Wissen nicht, also muß er um diese Zeit gelebt haben". Somit hätten wir das Tholdoth bereits im 5. Jahrhundert. Oder wieder ,,Wahrscheinlich müssen wir uns das Tholdoth im 5. Jahrhundert entstanden denken" S. 246. — Krauß glaubt selbst die Veranlassung zum Tholdoth gefunden zu haben: Veranlassung dazu hätte Glaubensstreit und Judenverfolgung ünter Papst Sylvester I. geboten (S. 244). Also gar im 4. Jahrhundert! Auf die Unhaltbarkeit dieser Anschauung hat bereits Erich Bischoff in einer Glosse zu Krauß' Worten (S. 236) hingewiesen. Krauß selbst kann ja die Augen nicht davor verschließen, daß die Fassungen, die er veröffentlicht, einer späten Zeit entstammen. Schon in seinem ersten Text erklärt er ארמיניא (S. 46) als das Heilige Römische Reich deutscher Nation (S. 264 f.), womit wir doch gewiß in die Zeit nach Karl dem Großen versetzt wären. Doch diese Deutung von ארמיניא scheint mir recht zweifelhaft, es ist viel einfacher an Armenien zu denken. Dieselbe Fassung aber macht Petrus zum Piut-Dicliter und setzt ihn Kalir gleich (S. 50). Damit sind wir zumindest über das 9. Jahrhundert hinweg. Der bedeutsame zweite Text, den Krauß veröffentlicht,מעשה דאותו ואת בנו beruft sich gleich eingangs auf Josippon, und Krauß selbst kommt zu dem Ergebnis: ,,Das hebräische Geschichtswerk Josippon, welches auch von Jesu und von den Anfängen des Christentums berichtete, ist als die hauptsächlichste Quelle des Tholdoth Jeschu anzusehen" (242). Krauß weiß ja allzugut, daß unser Josippon nicht vor das 10. Jahrhundert angesetzt werden kann; doch ebenso wie er an ein Ur-Tholdoth glaubt, scheint er auch ein Ur-Josippon anzunehmen und es aus dem 4.-5. Jahrhundert herzuleiten

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