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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 1 · p. Seite 39

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 1
Article
Über Judas Ischariotes in der jüdischen Legende
Date
1932-01-01
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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Über Judas Ischariotes in der jüdischen Legende 39 2. Der sehönste Traum. Im Tholdoth Jeschu, das Huldreich herausgegeben, wird erzählt, Jesus sei mit Petrus und Judas in eine Herberge gekommen, wo nichts als ein einziges gebratenes Gänschen zu haben war. Da dies bloß für einen reichte, schlug Jesus vor, daß derjenige, der das Schönste träumt, den Braten bekomme. In der Nacht verzehrt Judas das Gänschen. Morgens, erzählt Petrus, er habe geträumt, er säße auf dem Throne des Sohnes Schaddaj. Da sagte Jesus: Ich bin dieser Sohn Schaddajs, mir träumte, du säßest neben mir. Da gestand Judas, er habe die Gans im Traume verzehrt. Rene Basset, 1001 Contes, Recits et Legendes Arabes, I. 516—518 und Wesselski, Märchen des Mittelalters, Berlin 1925, S. 254, knüpfen diese Erzählung an das entsprechende Märchen an, das aus der Disciplina clericalis (ed., Hilka, Nr. 19), aus den Gesta Romanorum, aus der ungarischen: Volksüberlieferung und sonst bekannt ist. Hervorgehoben werden kann die Fassung des Nushat al-Udaba, welche R. Basset anführt: Ein Muslim, ein Christ und ein Jude reisen mitsammen. Sie finden einen Dinar, beschaffen dafür einen Kuchen. Auf Vorschlag des Juden soll den Kuchen derjenige essen, der das Schönste träumt. Nachts verzehrt der Jude den Kuchen. Morgens erzählt der Muslim, Muhammed habe ihn bei der Hand durch das Paradies geführt, der Christ erzählt: Mich hat Jesus bei der Hand durch die Hölle geleitet. Darauf der Jude: Mich faßte Moses, Sohn Amrams bei der Hand und sagte: Dein muslimischer Gefährte weilt im Paradies, der christliche in der Hölle, iß getrost den Kuchen, — darauf aß ich ihn. — Das Tholdoth sollte die Erzählung eigentlich auch damit schließen, daß Judas erklärt, er habe Jesus auf Schaddajs Thron gesehen, Petrus an seiner Seite, habe also füglich das Gänslein verzehren dürfen. Sowohl diese Fassung, in der Jesus und Petrus vom Judas überlistet werden, sowie die arabische, in welcher der Jude über Muslim und Christ obsiegt, verraten jüdischen Ursprung oder wenigstens jüdische Gestaltung des Stoffes. III. Über die Entstehungszeifc des Tholdoth Jeschu. Paul Lehmanns Arbeit/sowie die vorhergehenden Forschungen, auf denen sie ruht, legen es nahe, die Frage nach der Entstehungszeit des Tholdoth nochmals zu prüfen. Prof. Krauß glaubt; an ein

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