Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über Judas Ischariotes in der jüdischen Legende
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
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Über Judas Ischariotes in der jüdischen Legende 37 Antichristos steckt. Krauß selbst (219) weist ja darauf hin, daß die christliche Ju.daslegende, wie sie in byzantinischen Texten und in der Legenda aurea vorliegt, Judas aus dem Stamme Dan geboren sein läßt, gewiß weil Dan (Gen 4917) mit Schlange, mit Natter verglichen wird1. ,,Da der Antichrist Dan, ,,die Schlange am Wege'* (I Mos 491ד), zum Vorvater hat, muß auch sein Verwandter Judas diesem Stamme zugehören* ‘ (Hennecke, Neutestamentliche Apokryphen, 1924 2 S. 124). So wäre nunmehr nicht nur Judas, sondern auch der Antichrist selbst durch die Tholdoth als verdienstvoll därgestellt. II. Folkloristisches. Krauß (S. 211) weist schon auf Güdemann hin, der die Bedeutung des Tholdoth für die Sagengeschichte erkannt hat. Krauß selbst bietet ein inhaltsreiches Kapitel: Folkloristische Motive (211—226). Beiträge zum Folklore des Tholdoth hat auch Friedrich von der Leyen gegeben in seiner Arbeit: Das Märchen in den Göttersagen der Edda, Berlin 1899, S. 23—252. Die Legende von der Geburt des Judas Ischariotes hat auch Cosquin behandelt: Etudes Folkloriques, Paris 1922, 231—233. Vor Judas Geburt wird seinen Eltern verkündet, ihr Kind werde Israels Verderben herauf beschwören; das Knäblein wird ausgesetzt, von einer Königin an Kindes Statt angenommen, tötet später seinen Vater, heiratet seine Mutter und schließt sich zur Sühne an Jesus an. Diese 1 Daß die Legenda aurea, mit Berufung auf Hieronymos, ihren Judas von Jsachar abstammen läßt, erklärt sich vielleicht aus dem Anklang von Ischariotes an Isachar. 2 Eine Erklärung dieses weit- und tiefblickenden Forschers sei hier ins geschicht'iche Lieht gerückt. S. 24׳ schreibt von der Leyen: ,,Das Toledoth Jeschuist, wie man weiß, eine jüdische Verleumdungsschrift gegen- Christus, sie dichtet ihm alle Infamien an, die ein Jude sich nur zu ersinnen vermag“. Man kann sich füglich vom Tholdoth abgestoßen, angewidert fühlen, wie zum Beispiel Mendelssohn, Graetz und viele Juden sowohl, wie Nicht Juden. Doch diese Geschmacklosigkeit des Glaubensstreites darf nicht als jüdische Eigenart gebrandmarkt werden. Eine noch so flüchtige Kenntnis des polemischen Schrifttums zeigt ja,,daß diese Streitschriften gewöhnlich Ton, Maß und Geschmack verfehlen. Es genügt, um bei unserem Gegenstände zu bleiben, auf die gräßliche Schilderung der Sühne Judas’ bei Papias hinzuweisen. S. Hennecke, Neutestamentliche Apokryphen, 1924 2, S. I3(h