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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 1 · p. Seite 36

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 1
Article
Über Judas Ischariotes in der jüdischen Legende
Date
1932-01-01
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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36 Bernhard Heller gehört, aber sie waren von derselben Volkspsychose angeregt: Sie rechtfertigten den vom Verfolger, vom Gegner Verdammten. Selbst Herodes, der ja dem rabbinischen Judentum nur hassenswert erscheinen konnte, wird gerechtfertigt: Weil die christliche Überlieferung ihn als Kindesmörder verschreit, wird er in Tholdoth zum Hort der Sittlichkeit, zum Rächer des Ehebruchs (Krauß S. 33). Ja noch mehr: Pilatus, der doch alle Wut des Judentums redlich verdient, wird zum Gesinnungsgenossen der Rabbinen (Krauß S. 147). Aus dieser Umwertung erklärt sich der Judas in Tholdoth. Er wird zum sieghaften Nebenbuhler Jesu. Jesus dringt durch List ins Heiligtum und eignet sich tückisch die Zaubergewalt des göttlichen Namens, des שם המפורש an, Judas tut es ihm gleich. Jesus fliegt mittels des zauberkräftigen Namens gegen Himmel. Judas fliegt mit ihm um die Wette und indem er seinen Gegner besudelt (selbst das Tholdoth hat keine w7iderlichere Szene als diese), wird der Gottesname entweiht,: seiner Zauberkraft entkleidet, Jesus muß niedersteigen. Es ist längst erkannt, auch von Krauß (S. 175 f.) ausgeführt, daß wir es hier mit einem Gegenstück (einer Parodie) des Luftkampfes zwischen dem Apostel Petrus und dem Magier Simon zu tun haben, \yobei Simon Magus aus den Lüften zu Fall gebracht wird und dabei ebenfalls nicht sogleich stirbt, sondern erst gelähmt wird. (Entsprechendes in der Ägada bei Krauß S. 1751 und bei Louis Ginzberg, Legends o.f the Jewrs VI, 144).; Im., Evangelium Mattliaei (2 75) entleibt sich Judas,: wie es scheint, noch vor dem. Martertod Jesus. Das Tholdoth hingegen behält ihm noch weitere Aufgaben vor.. Nach Jesus Tod wird die 'Befürchtung wach, seine ,Anhänger könnten seinen Leichnam;stehlen und dann verkünden, er sei in den Himmel gestiegen. Darum stiehlt Judas selbst den Leichnam, verbirgt ihn in seinem Garten und als die Getreuen Jesus, wirklich seine Himmelsfahrt verkünden, beschämt sie Judas mit dem hervorgeholten Leichnam: Hier ist er, .nicht im Himmel. Der Vollstrecker dieser ,,rettenden“ Tat führt verschiedene Namen יהודא גמא, יהודה גינאה, יודא איש ברתותא Adler., Krauß und Ginzberg stimmen überein, daß hier Judas Ischariotes gemeint ist. Auffälliger ist der Name אנטיבי und .בן אכטיבי den Krauß (S. 175) als Antiochier erklärt. Es sei jedoch gestattet, die Vermutung auszusprechen, daß dahinter eine Entstellung von

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