Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur jüdischen Kunstforschung [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829975-2829977-2849480--50301-2849582- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
72 die Kopie eines Holzschnittes aus einer Haggadah, die ungemein große Verbreitung gefunden hatte. Man kann beobachten, wie die jüdische Buchillustration das jüdische liturgische Gerät beeinflußte, das, wenn es auch vielfach Stempel christlicher Zunftmeister trug, nicht etwa nach willkürlichen Vorlagen gearbeitet wurde. Chanukkaleuchter in Kandelaberform und Gewürzbüchsen —־ meist gotisierende Türmchen mit Rokokozierat, jedoch mit hübschen von einander abweichenden Einzelheiten — vervollständigen die gebotene Auswahl. Leider erfahren wir nichts über die Geschichte dieser privaten Sammlung und ihren Urheber. Sollte die Sammlung identisch sein mit der jüdischen Kunstsammlung eines I. S. Solomon, die vom Eigentümer der Britischen Regierung zur Auf- Stellung in Palästina angeboten wurde? Das Israelitische Familienblatt in Hamburg brachte einmal einige Abbildungen von jüdischem Kultgerät aus der Sammlung des Herrn I. S. Solomon, in denen die Chanukkalampe von Tafel 21 und die Thorakrone von Tafel 2 z. B. wiederzuerkennen sind. Sollte es sich um Duplikate handeln? Im Begleitartikel zu den Abbildungen von einem Dr. Haiford, London, ist die Rede von Herrn I. S. Solomon, den! Besitzer einer ״Internationalen Kunstgalerie“, die sich anscheinend in London befindet. Herr Henri Guttmann spricht in seiner Publikation von dem ״pariser Financier“ Herrn S. M. Salomon. Es wäre interessant, zu wissen, ob es sich um zufällige Aehnlichkeit der Namen der Besitzer und einzelner Sammlungsstücke handelt oder aber, wenn nicht um die gleiche Person, so doOh um die gleiche Sammlung. Vor Redaktionsschlüß erfahre ich, daß es die gleiche Sammlung ist. Sie wird augenblicklich in London ausgestellt. Die Tafeln 25—42 sind Blättern aus illuminierten Handschriften des 13.—16. Jhdts. gewidmet. Es sind das mit Ausnahme der Bibel der Casa Alba in Madrid und eines Machsor der Ecole Israelite Orientale in Paris Hand- Schriften der Bibliotheque Nationale. Es ist ein Verdienst des Herausgebers, die schönen Beispiele zum großen Teil auf ganzen Tafeln-reproduziert zu haben. Leider hat er es bloß unterlassen, sie mit Signaturen zu versehen, so daß der Leser keine Handhabe für die Benutzung dieses Materials erhält. Diese seien hier, soweit es mir meine Notizen gestatten, nachgetragen. Die Bibel, aus der wir auf Tafel 26 zwei Blätter sehen, ist cod. hebr. 7 der Bibi. Nat.; Tafeln 27—31 sind der Bibel cod. hebr. 20 der Bibi. Nat. gewidmet; Tafeln 39—40 zeigen Blätter aus cod. hebr. 1333; Tafel 51 ist cod. hebr. 1388 entnommen. Es ist das die Haggadah, aus der Moise Schwab eine Anzahl Bilder veröffentlichte (auch in den Mitt. z. Jüd. Volkskunde 1905 erschienen). Guttmann hat die Bilder nicht im Ausschnitt, wie Schwab, sondern so, wie sie im Schriftbilde stehen, reproduziert, was den Wert seiner Veröffentlichung wesentlich erhöht. Zu erwähnen ist noch Tafel 32, die ein Blatt aus dem cod. hebr. 15 bringt, einer Renaissancebibel, die Guttmann unbegreiflicherweise dem 14. Jhdt. zuweist. Es bleiben noch Tafeln 25, 33 und 34—36, die drei von mir nicht identifizierten Hand- Schriften entnommen sind. Die übrigen Tafeln des Mappenwerkes sind Kopien von Grabsteinmälereien aus Wilna, Mariampol, aus Beßarabien gewidmet, die der feinsinnige in Paris lebende Künstler J. Messenblum hergestellt hat. Die Darstellungen aus dem 18. und 19. Jhdt., die die antiken Motive der pickenden Tauben, der gegenstelligen Löwen, des Leuchters u. a. in phantasiereichen Abwandlungen variieren, legen Zeugnis ab von der unerschöpflichen jüdischen Volkskunst, die jahrhundertealtes Kulturgut hütet. ־ ׳