Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur jüdischen Kunstforschung [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 3)
- Language
- German
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71 v Die äußere Gestaltung der Veröffentlichung und vor allem die farbige Wiedergabe der Bilder verdient alle Anerkennung. Hebraica, Documents d’Art Juif. Orfevrerie, Peinture. Pröface de Henri Ghittmann. Librairie des Arts Döcoratifs. A. Galavas, Editeur, 68, rue Lafayette, Paris. Das schöne Mappenwerk enthält eine Vorrede von drei Seiten und 48 Bildtafeln, wovon 5 in Farben. Die Tafeln 1—24 sind der jüdischen Kultgerätesammlung von S. M. Salomonin Paris gewidmet. Nach Gesamtaufnahmen der Museumsräume folgen Reproduktionen von Thorakronen und -Thoraschildern, die in der Sammlung stark vertreten sind. Die Thoraschilder sind für den Forscher von besonderem Interesse, da sie oft datierte Stifterinschriften tragen, die es ermöglichen, stilistisch verwandte, undatierte Stücke einzuordnen. Der Herausgeber hat nur in dem Schild auf Tafel 9 die datierte Inschritt ausgewertet. Die Jahreszahl 1559 beruht jedoch wohl auf einem Druckfehler, denn die auf dem mittleren Anhängsel des Schildes zu lesende Jahreszahl entspricht dem Jahre 1759 der gewöhnlichen Zeitrechnung. Zum Thoraschild auf Tafel 7 wäre auf ein Gegenstück in der Synagoge ,,zum Tempel“ in Breslau hinzuweisen, das Erwin Hintze in seinem Katalog der Ausstellung des Vereins Jüd~ Museum Breslau im Schlesischen Museum für Kunstgewerbe, 1929, auf Tafel IX reproduziert. Dieser ,,Tass“ ist 1753 datiert und trägt den Stempel des Silberarbeiters George Kahlert d. J. in Breslau. Vielleicht läßt sich auf dem pariser Stück auch ein Stempel entdecken. Sehr reichhaltig ist die Sammlung von Ghanukkalampen, aus deren Fülle Herr Guttmann manches interessante Stück veröffentlicht. Sie stammen alle aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Der Herausgeber, der sich anscheinend an einen vollkommen unorientierten Leserkreis wendet, beschränkt sich auf eine Schilderung der Bestimmung dieses Leuchtgeräts. Es sei gestattet auf die Ghanukkalampe Tafel 20 besonders hinzuweisen, weil uns ein Stück in Palästina bekannt geworden ist, das für die Datierung dieses Typs einen Fingerzeig liefert. Beide Lampen sind aus Silberfiligran und weisen auf ihrer Rückwand eine Schreinarchitektur auf, mit dem Unterschiede, daß in der pariser Lampe die Tür des Schreines zu sehen ist, während in der palästinensischen die Tür durch einen Doppelaltar im ovalen Felde ersetzt ist. Ueber diese Ghanukkalampe, die in der Ausstellung von Chanukkalampen im Bezalel-Museum in Jerusalem Oktober—November vorigen Jahres ausgestellt war (Nr. 82), weiß Herr M. Narkiss, Verfasser des Katalogs der Ausstellung Interessantes zu erzählen. Die Lampe hat nämlich nach Ueberlieferung R. Israel Balschemtov, Beseht, dem Begründer des Chassidismus gehört Sie soll ihm von seinem Schwager R. Gerschom aus Kutow im Jahre 1744, als er seine Reise nach Palästina antrat, geschenkt worden sein. Zuletzt hat sie Herrn Israel Penini angehört. Es ist zu bedauern, daß der Herausgeber nicht die Inschriften nur, sondern auch die jüdische Ikonographie auszuwerten nicht imstande war. Da ist z. B. auf Tafel 23 ein Pessachteller abgebildet, der außer der Opferung Isaaks und den Gestalten von Moses, Aaron, David und Salomo mit ihren Attributen, die sie in den Haggadahdrucken gewöhnlich besitzen, noch eine Szene bietet, die Herr Henri Guttmann als Cerömonie de Päques bezeichnet. Es ist das aber die bekannte Szene mit den Weisen von Bnei Brak, die von •den Jüngern bei Sonnenaufgang beim Erzählen über den Exodus überrascht werden. Und was besonders weit blicken läßt, die Darstellung ist