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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 70

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 1
Article
Zur jüdischen Kunstforschung [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 70 (sequence 2)
Language
German
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70 dieser auch als Gebhardsbibel bekannten Handschrift ,,für 27% Mark, in Raten zu zahlen, von einem Magister Yid an den Juden Farkasius aus Eisehbürg^ vor 1263 verpfändet wurden. Die Bibel Verblieb in der Verpfändung und man weiß nicht genau, wann sie und ob vor dem 15. Jhdt. in Admonter Besitz kam. Ein Unterschied in der Behandlung der gleichen Szene in den beiden Bibeln besteht darin, daß die zwischen Moses und die Menge der harrenden Juden eingeschalteten Mittelspersonen —es sind das außer Aaron noch .Nadab und Abihu (Exod 249) — in der hebräischen Bibel von dem Volke sich deutlich abheben. Diese besondere Charakterisierung der Führer — in getreuer Anlehnung an den Bibeltext — geht, wie mir scheint, auf eine noch ältere, ebenfalls durch eine christliche Handschrift belegte, Tradition, und zwar den Ashburnham Pentateuch, zurück, ein Thema, auf das hier nicht näher eingegangen, werden kann. Was die Darstellungen der Tempelgeräte betrifft, so ist die Verwandtschaft mit den Bildern auf den Goldgläsern der jüdischen Katakomben in Rom, ferner mit den Malereien des hebr. Pentateuchs Ms. II 17 der öffentlichen Bibliothek in Leningrad (Abb. Rimon, 4) und anderer schon von David Kaufmann in der Haggadah von Sarajewo aufgezählter Handschriften unverkennbar. Die Reihe ließe sich allerdings vervollständigen, und zwar hauptsächlich durch Material aus englischem Besitz, das der Verfasserin nicht zugänglich war. Hier sei erwähnt, daß die Farchibibel seit Jahren der cod. David Sassoon 868 in London ist, ferner daß die Haggaden des Earl of Crawford sich nicht im British Museum, sondern in der Rylands Library in Manchester befinden. Im Estherbild hat die Verfasserin richtig erraten, daß die Gestalt des Haman, dessen Kopf neben dem Vorderbein des Pferdes am Boden zu sehen ist (das Bild ist am unteren Rand beschädigt), liegend gedacht sein muß. Beine Haltung kennzeichnet seine Erniedrigung, jedoch nicht im allgemeinen, sondern in Anspielung auf eine bestimmte Episode. In Esther Rabba 10 und anderen Nacherzählungen des Estherbuches ist die Rede davon, daß Mordechai, vom Fasten erschöpft, darüber klagt, daß er nicht imstande sei, sich aufs Pferd hinaufzuschwingen. Haman hält ihm seinen Nacken entgegen. Mordechai setzt auf ihn seinen Fuß beim Besteigen des Pferdes. Zu Tafel VII, die die erste Seite des Buches Esther enthält, wäre zu bemerken, daß das auf blauem Grund stehende Wort in Zierschrift nicht Esther bedeutet und kein Titel, sondern das Anfangswört des Buches ist. Im Hiobbild findet die Verfasserin zu Recht ,Gemeinsames mit dem Hiobbild aus dem im Rimon, 1924, Heft 6 veröffentlichten Bibelkommentar des Raschi (geschrieben 1233 in Würzburg), dem cod. hebr. 5 der Münchner Staatsbibliothek. Es wäre noch auf die dort auftretende Figur der Frau des Hiob hinzuweisen, mit der die Mutter Sara im Abrahambild der Krakauer Bibel große Aehnlichkeit verrät, ein erneuter Beweis für die Zusammengehörigkeit der beiden Handschriften. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß, obwohl die Ausdeutung und die form vergleichende Behandlung des Bildstoffes gelegentlich etwas summarisch ausgefallen ist, die Beurteilung der Krakauer Bibel durch Dr. Zofja Ameisenowa richtig ist. Man kann ihrer Lokalisierung nach Süddeutschland, sowie der Datierung des Kodexes in die erste Hälfte des 14. Jahdts. nur beistimmen. In dieser Schrift, die nur ein Versuch auf dem Gebiete der jüdischen Hand- Schriftenforschung ist — die Verfasserin hat sich bis jetzt hauptsächlich dem italienischen trecento gewidmet —, haben wir einen versprechendenAnfang. Die jüdische Kunstforschung beginnt in unserer Zeit sich von der nur inven- ,tarierenden, bibliographischen Betrachtungsweise, in der sie erstickte, ,freizumachen.

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