Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur jüdischen Kunstforschung [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 1)
- Language
- German
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69 Besprechungen Zur jüdischen Kunstforschung. Zofja Ameisenowa^ Biblja Hebrajska XIV־go wieku w Krakowie i jej dekoracja malarska. Krakau 1929. (Die hebräische Bibel des 14. Jahrhunderts in Krakau und ihr Bildschmuck.) Veröffentlicht anläßlich des 4. polnischen Bibliophilentages während der Allgemeinen Landesausstellung in Posen, im Mai 1929. Verlag N. Telz, Krakau. 45 Seiten Text und 9 Tafeln, wovon 4 in Farben. Die Schrift behandelt eine in der alten Synagoge in Krakau entdeckte hebräische Bibelhandschrift, die, seit ihr kunstgeschichtlicher Wert erkannt ist, in der jüdischen Gemeinde in Krakau aufbewahrt wird. Der Kodex enthält am Schluß der Genesis den Namen des Schreibers David, Sohn des Sabbatai, in gereimtem Akrostichon, ferner an anderer, nicht näher angegebener Stelle den Kolophon des Kollationierers der Handschrift Jacob, Sohn des Meir, in Regensburg. Da der zweite Teil des Kodex, nach Beobachtung der Verfasserin, in der gleichen Handschrift geschrieben ist, wie diese Nachschrift, nimmt sie an, daß Jacob den Kodex nicht bloß überprüft, sondern auch zum Teil geschrieben habe, durch welche Feststellung die Entstehung desselben in Regensbürg gesichert erscheint. Schade ist, daß die Handschriftenproben nicht beigelegt sind. Das Bildmaterial spricht jedoch auch für eine deutsche Herkunft der Bibel, entgegen der Lokalisierung von Prof. Sokolowski, der den von ihm der Wissenschaft zuerst zugeführten Kodex Spanien zuweisen zu müssen glaubte. Die Reihenfolge der Bücher im Krakauer Bibelkodex ist Pentateuch, Buch Esther, Ruth, Lied der Lieder, Kohelet, Haftarot zum Pentateuch, zu den wichtigsten Sabbaten, zu den Feiertagen, Hiob, Jeremias, Lamentationen. Der Bildschmuck besteht aus der figurierten Masora, aus Tierdekor am unteren Rande der Blätter und einigen Vollbildern, sowie Zierschriften. Die Bilder beginnen auf fol. 18, wo oben die Beschneidung Isaaks und unten die Opferung Isaaks dargestellt ist. Auf fol. 154 ist der Gesetzesempfang durch Moses und die Uebergabe der Bundestafeln an das Volk zu sehen. Fol. 155 und 156 sind den Tempelgeräten gewidmet. Fol. 15ל behandelt die Esthergeschichte; Oben rechts Esther vor Ahasveros, unten rechts Triumph des Mordechai, oben links der hängende Haman, unten links die hängenden Hamansöhne. Fol. 225 bietet die Szene des Hiob mit seinen Freunden. In der Opferung Isaaks fällt die Gestaltung des Engels mit Vogelkopf und Menschenhänden auf. Die Verfasserin hebt richtig hervor, daß die Mutter Sara, die vom Satan auf den Berg Moriah gebracht wird, um der Opferung beizuwohnen und an dem Anblick ihres Sohnes zu sterben, ein der christlichen Ikonographie unbekanntes, der jüdischen literarischen Ueberlieferung entnommenes Motiv ist. In der Analyse der Gesetzgebungsszene hat die Verfasserin auf die Aehnlichkeit mit der Bibel in Admont hingewiesen. Die Heranziehung der sog. Riesenbibel der Stiftsbibliothek zu Admont in Steiermark, und zwar des Bildes der Gesetzgebung (Abb. in der Encyclopaedia Judaica, IV, 567) zum Vergleich mit dem entsprechenden Bilde der hebräischen Bibel in Krakau ist berechtigt, die Verwandtschaft feststellbar. Ergänzend möchte ich noch erwähnen, daß diese lateinische christliche Bibel des 12. Jhdts. nachweisbar in jüdischen Händen gewesen ist. Paul Buberl erzählt in ״Die illuminierten Handschriften in Steiermark“, I, 1911, wie die beiden Bähäe