Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die höheren jüdischen Schulen Deutschlands
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 18)
- Language
- German
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65 . . ,.Vorläufig wird sie vom ,,Isr. Schulverein'‘ erhalten, der etwa Rm000 80 .״ an Schulgeldern erhebt, Rm. 10 000 an Patenschaften (s. Berlin!) und Rm. 20 000 als Jahresunterstützung von der Leipziger Großgemeinde, mit der die Religionsgesellschaft in so gutem Einvernehmen steht, daß Dr. Carlebach als Gemeinderabbiner anerkannt wurde. Eben in einer der letzten Gemeindeversammlungen, bei der die Liberalen den Etat der Schule kürzen wollten, stellten ihr Volkspartei., Orthodoxen und Demokraten gemeinsam das Zeugnis aus: ,,Sie ist mustergültig in der Erziehung der Jugend. Direktor Carlebach leitet sie bewunderungswürdig.“ Sie besitzt derzeit das Verleihungsrecht der Obersekundareife, in diesem Jahre zum erstenmale auch für Mädchen. Die Schülerzahl beträgt in 10 Knaben- und Mädchenklassen, Grundschule mitinbegriffen, ca. 400 Zöglinge, in der Höheren Schule allein 160 Knaben und 100 Mädchen. Wie die Geburtsstatistik schon seinerzeit ergab, stammt ein beträchtlicher Teil der Schüler bzw. Eltern aus Polen, Litauen und den anderen Randstaaten. Der Unterricht wird von 24 Lehrern und Lehrerinnen erteilt, von denen die Hälfte Nichtjuden sind. Der Religionsunterricht ist auch hier recht eingehend, befaßt sich viel mit dem eben in Leipzig herausgegebenen, verbesserten ,,Kizzur“, auch mit dem Talmud; eine Zeitlang war Hebräisch als lebende Sprache Lehrgegenstand, Die Schule beherbergt eine geräumige Synagoge; vor Beginn des Unterrichtes wird allmorgendlich in der Schule selbst Gottesdienst abgehalten, der regen Besuch aufweist. VIII. Höhere Jüdische Schule, Breslau. Auch in Breslau war es die religionsfeindliche Tendenz der Umsturz]ahre und der damals sichtbar einsetzende kulturelle Aufstieggedanke des deutschen Judentums, der den Wunsch eines eigenen jüdischen Schulwerkes lebhafter in den Seelen entstehen ließ. Dem Rabbiner an der Breslauer Einheitsgemeinde, Dr,. M. Simonsohn, einem Freunde und Förderer der Jugend, gebührt neben einer Reihe von anderen Persönlichkeiten das Verdienst, im Jahre 1919 den ,,Jüdischen Schulverein E. V.“ ins Leben gerufen zu haben. Dieser eröffnete im folgenden Jahre die erste Klasse einer jüdischen Volksschule, baut dieselbe in den folgenden Jahren aus, um 1923 das Werk mit einer Höheren Jüdischen Schule zu krönen. Derzeit muß der Schulverein als Patronatsbehörde noch schwer kämpfen, um die ca. Rm. 120 000 betragenden Kosten der Schulerhaltung aus Schulgeldem, Patronaten, Spenden und Gemeindezuschüssen aufzubringen. Trotzdem nimmt das Schulwerk ständig an Ausdehnung und Beliebtheit zu. Die Volksschule — Rektor H. Feilchenfeld — besteht heute aus 7 Klassen mit 350 Kindern, die Höhere Schule umfaßt die Klassen Sexta bis Obersekunda mit beiläufig 100 Zöglingen, Knaben und Mädchen, und soll, wenn irgend möglich, bis Oberprima ausgebaut werden. Ihre derzeitige Leitung liegt in den Händen eines nicht]üdischen städtischen Studienrats, Dr. Radebrecht, dem für alle religiösen Angelegenheiten Dr. H. Speyer zur Seite steht. Der hebräische und Religionsunterricht, der in wöchentlich je 8 Stunden zum Teil von Gemeinderabbinern erteilt wird, umfaßt 5