Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die höheren jüdischen Schulen Deutschlands
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 17)
- Language
- German
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64 liehe oder juridische Gänner. -zu suchen, die für jene wahrend der ganzen Schulzeit materiell einstehen; So fließen dann für sämtliche Schüler die Schulgelder in der Gesamthöhe von ungefähr־ Rm. 100000 voll ein —, Bekaniitschaftsverhältnisse werden geknüpft, die auch in den späteren Erwerbsjahren oft weiterwirken und außerdem werden Wohlwollen und Gebefreudigkeit für die Schule in außenstehende, weitere Kreise getragen. Als interessantester Erfolg der Anstalt kann wohl jener gebucht werden, daß — dem Vernehmen nach — nunmehr auch die große Berliner Gemeinde daran geht, ihre Knabenmittelschule in der Großen Hamburger Straße, die bereits jetzt eine Vorbereitungsanstalt für Lehrer zum Abitur beherbergt, zu einem angeblichen Mendelssohn- Realgymnasium auszubauen. VII. Isr. Höhere Schule, Leipzig. Die Leipziger Israelitische Höhere Schule — zur Zeit meines vorigen Berichtes einige Jahre alt — war im Sommer 1913 mit niehr als 300 Zöglingen in ihren, palastartigen Schulbau (Gustav Adolf- Platz 7) gezogen, Aussicht war vorhanden, daß mittelst Errichtung eines Schulinternates ,,sie nicht bloß durch Verbreitung von jüdischem Wissen, und. Denken wohltätig wirken, sondern durch Assimilation des. Leipziger Ostjudentums eine Kulturmission erfüllen werde1“. Der Konvikt kam zwar nicht zustande, aber der Krieg brachte der Anstalt reichen Zuwuchs, so daß die Zahl ihrer Zöglinge oft 700 überstieg. Sieben Jahre hindurch (1921—28) besaß sie auch die oberen Klassen, U II—O 1 der Oberrealschule, wenngleich sie ihre Schüler an fremden Schulen prüfen lassen mußte. Die Verwüstungen der Nachkriegszeit, verbunden mit dem Ableben ihres größten Wohltäters, Alex. Carlebach aus Lübeck, des Bruders des Anstaltsdirektors Dr. Ephraim Carlebach, brachten ihr jedoch einen plötzlichen Sturz aus heiteren Höhen. Neben finanziellen Schwierigkeiten schwerster Art lösten sich manche behördliche Bande; im Lehrkörper entstanden, da die PensionsVerhältnisse nicht geklärt waren, Lücken und Mängel, Freistellen wurden der Anstalt entzogen, andere Legate entwerteten und so stand die Schule vor der. tiefstgehenden Krise. Nur der Tatkraft des Direktors und seiner von ihm erzogenen Schülerschar,, die ihm nun tapfer zur Seite steht, ist es zu danken, daß die Schule sich über Wasser halten konnte2. 1 Wir sind freilich auch in dieser Beziehung durch die letzten Jahrzehnte eines, Besseren belehrt worden und .viel Wahrheit liegt in folgenden Worten eines Leitartiklers über das Problem Ost- und Westjudentum: ״Nicht ״Erziehungsarbeit“ ist es, die uns fehlt. Der Ostjüde braucht nicht erzogen zu werden, weil er nicht mi n d e r e r Art ist als der deutsche Jude,, er ist nur anderer Art. Dieses Andersgeartetsein, dieses sein Vollblut jüden tum soll ihm um alles, in der Welt nicht wegerzogen werden. Eher bedarf es, gegenseifigen liebevollen Verständnisses. Auf den deutschen Juden wirkt der Bruder aus dem Osten als die jüdische Vollpersönlichkeit; der das Judentum Lebens^ atmoSphäre ist, der 'Ostjude aber lernt vom deutschen Brüder bessere Ordnung im inneren wie im äußeren Leben,, geistige und physische Organisation.“ (M. Hornstein im Isr. Familienblatt, Hamburg, 13. 2. 1930.) 2 In jüngster Zeit sollen Verhandlungen mit einem Ausschuß der Zionistischen Organisation angeknüpft worden sein, um wohl Geist und Körper der Schule auf neuen Grundlagen auf zubauen«