Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die höheren jüdischen Schulen Deutschlands
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 19)
- Language
- German
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66 Bibel und Talmudische Literatur, Midrasch, Religionsphilosophie, Liturgie und Neuhebräisch, wozu noch in jeder Klasse eine Stunde jüdische Geschichte hinzukommt. Als Lehrmethode ist im allgemeinen — wie im neusprachlichen Unterricht — die direkte Lehrmethode eingeführt; nicht bloß die Profeten werden möglichst hebräisch besprochen, sondern in den obersten Klassen wird auch mit dem Talmud dieser Versuch gemacht. ,,Die Schule betont trotz ihrer prinzipiell konservativen Einstellung das allen Richtungen Gemeinsame und will ihre Zöglinge dazu ertüchtigen, den Aufgaben gerecht zu werden, die heute dem selbstbewußten Juden in der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt gestellt werden/' Bis heute ist die Schule in provisorischen Räumen untergebracht, doch ist der Ankauf eines eigenen Schulgebäudes geplant, wozu bereits Stiftungen und Schenkungen von amerikanischen und Breslauer Gönnern vorliegen. ■ ׳ ■ ■ * * * Zum Schluß soll wieder eine tabellarisch-statistische Uebersicht Stand und Ausdehnung des höheren jüdischen Schulwesens Deutschlands im Jahre 1930 veranschaulichen. Die trockenen Zahlen und Rubriken sagen zwar nicht zu viel, wohl aber zeigt die durch eigene Anschauung erworbene Erfahrung, daß in all den aufgezählten Lehrstatten regsames, strebsames Leben herrscht, das sich den demokratischen Lehr- und Lernprinzipien des neuen Deutschlands in Theorie und Praxis anzupassen sucht. Deutschtum und Judentum vollendet sich in ihnen zu schönster Harmonie. Da sie — mit Ausnahme des Philanthropins — sämtlich der konservativen Richtung im Judentum angehören, scheint bereits eine Art Organisation zwischen ihnen angebahnt zu sein. Eine Anzahl ihrer Vertreter haben sich in den Winterferien 1921 in der Franfurter Hirsch-Schule behufs gemeinsamer Aussprache zusammengefunden, die dann zu Chanukka 1924 anläßlich des Bundestages der jüdischen Akademiker in Hamburg ihre Fortsetzung fand. Vorläufig war bloß von einer einheitlichen Regelung des hebräischen Unterrichtes in Stoff, Methode und Didaktik die Rede, mit der Zeit wird es wohl auch zu einer Art politischliterarischer Arbeitsgemeinschaft, zur einheitlichen Vertretung gemeinsamer Interessen, womöglich zum gegenseitigen Besuch ’ und Austausch von Lehrern und Schülern kommen, um den gut-jüdischen, intelligent-religiösen Geist der Schulen auch in den weitwirkenden Kreis der größeren Oeffentlichkeit zu tragen. Hatte ich die 7 Schulen anno 1914 zur siebenarmigen Menorah des Tempels verglichen, dem Symbol jüdischer Erleuchtung und Aufklärung nach außen, so mögen die heutigen Anstalten, um im Bilde zu bleiben, den 8 Lichtem des häuslichen Chanukkaleuchters gleichen, der bescheiden-beschaulich das Heim erhellt, milde Wärme, religiöse Andacht im Innern verbreitet. —