Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die höheren jüdischen Schulen Deutschlands
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829975-2829977-2849475--50283-2849573- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
gelegene Siegxmindhof angekauft, .— :schrittweise nach Freiwerdung der Wohnungen — für ,.Schulzwecke: hergerichtet, auch mit einer Synagoge für die westlichen Bezirke versehen worden-war. 1925 zog das Mädchenlyzeum nach dort, 1928 das Knabeninstitut, 1930 auch einige Teile •der Volksschule, die unter selbständiger; Leitung von :Rektor Max Sinasohn, 8 Parallelklassen von Knaben und Mädchen entwickeln mußte und bei großem Andrange heute mehr als 500 Zoglinge zählt,. . . '. Das Realgymnasium, das zu Ostern seine ersten Abiturienten mit glänzendem Erfolge entlassen hat (alle 7 Zöglinge erhielten; das Reifezeugnis), hatte im letzten ■Semester 175 Schüler, das Mädchenlyzeum 135; letztere sind im höheren Stockwerk untergebracht; es wird dafür gesorgt, daß die Stundenpausen der beiden Schulen nicht zusammenfallen. Das Schulgebäude wird von einem großen Garten mit altem Baumbestand umgeben, besitzt eigene Wasch- und Brausebäder, die Einrichtung der Turnhalle dürfte von keiner Schule Berlins übertroffen werden. , Einzelne der überaus hellen Klassenzimmer tragen Gedenktafeln zum Gedächtnis ihrer Stifter, Der Lehrkörper der beiden Lehranstalten besteht aus 29 Lehrkräften, von denen ein Teil freilich gemeinsam ist; leider mußten im Aushilfsdienst eine ziemlich beträchtliche Anzahl von Nicht]uden (11) ängestellt werden. Gehalt, Pension der ordentlichen- Lehrer ist staatlich geregelt, ebenso Lehrplan und Schulaufsicht, Bloß der Religiohsuriterricht, der bei den Knaben mit wöchentlich 58, bei den Mädchen mit 43 Stunden versorgt ist und zum Teil von den Rabbinern der Adaß erteilt wird, steckt sich natürlich. eigene Zwecke: eingehende Kenntnis des Pentateuchs, zum Teipmit Raschi, kursorisch Profeten (bei Mädchen Psalmen) und Erreichung einer gewissen Festigkeit im Talmud- Verständnis. In rein Hildesheimerschem Geiste ,,liegt uns die Hervorkehrung des Austrittsprinzipes fern; die Konsequenz der geschichtlich gewordenen Trennungsorthodoxie kann sich allein als Folgerung der gesamten Erziehung unbeeinflußt ergeben“. Mit Genugtuung stellt ein Aufsatz des Schulleiters, der in der einzigen, bisher erschienenen, zu Propagandazwecken herausgegebenen Druckschrift der Anstalt1 z.u lesen ist, fest: ,,Jüdisches Leben pulsiert in unseren Schulen. Der Stimmungsgehalt unserer jüdischen Lehrstunden> der rege Besuch unserer freiwilligen jüdischen Nachmittagskurse, die selbständige Liebesbetätigung unserer Klassen zur Linderung jüdischer Not, die gelegentlichen intimen Feiern einzelner Klassengemeinschaften bei feierlichen Anlässen des Jahres, der andachtsvolle Verlauf unseres, täglichen Morgengottesdienstes für Schüler,, das quellende jüdische. Leben in unserem eigenen Ferienheim — sie alle sagen unsunser Schülergeschlecht will jüdisch sein und bleiben.“ •■ •׳•׳' Die Schule wird von der Religionsgesellschaft erhalten, in deren Etat (von Rm, 600 000) sie den bedeutendsten Posten von Rm. 289 000 bildet, freilich Volksschule mitiribegriffen. Die 1925 begründete Munk- Hildesheimer-Schulgeldkasse strebt die Errichtung von Freiplätzeii an, ein eigenes’Komitee aber'wirkt dauernd dahin, sog. Patenschaften anzuwerben, d; h. für'einzelne, unbemittelte Vorzugsschüler persön- 1 Die Schulen der Israelitischen Synagogengemeinde Adaß jisroel, 1927: