Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die höheren jüdischen Schulen Deutschlands
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829975-2829977-2849475--50282-2849572- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6S der ersten zehn Jahre zu einer lÖ-klassigen Lehranstalt entwickelt. Die bemerkenswertesten Stufen ihrer Weiterentwicklung fallen — dem Gange der..allgemeinen Reformen im •deutschen Mädchenschule wesen entsprechend — wie bei der vorstehenden Gemeindeschule in die Jahre 1912, wo sie Lyzeum, und 1926, wo sie Realschule würde. Diese letzte Stufe schließt die Anerkennung der Obers chulbehörde ein, daß die Schule' ihren Schülerinnen ebenfalls das Reifezeugnis der Untersekunda, ausstellen darf. ׳ ' Die Schule (Bieberstr; 4) erhält sich durch Schulgelder und Beiträge von Freunden und Gönnern, wird 1aber weder vom Staate; noch ■von der Gemeinde regelmäßig unterstützt. Bloß im Kriege gab es zweimal größere Subventionen. Direktorin ist seit Begründung der Schule Frl. F. Philip. In der Regel‘ werden im Hauptamt jüdische Lehrkräfte angestellt, daneben sind meist einige Fachlehrer aus den Staatsschulen an der Schule tätig. Schülerbestand durchschnittlich 20 in der Klasse, derzeit insgesamt 190 Schülerinnen. Das Lehrziel, das bei der Gründung der Schule für die jüdische Er- Ziehung aufgestellt wurde, erfordert einen gründlich-konservativen Unterricht in den jüdischen Fächern; (Pentateuch, Gebetbuch, biblische und jüdische Geschichte, hebräische Sprache), denen wöchentlich 4 Stunden gewidmet sind. YL Realgymnasium der Adaß JisroeL, Berlin. In der Reichshauptstadt hatten sich in der'Kriegszeit große Mengen von Ostjuden angesiedelt; ein Teil derselben hatte sich der von Rabbiner Dr. Esriel Hildesheimer begründeten Religionsgesellschaft Adaß Jisroel ängeschlossen, wodurch sie deren Wirkungskreis und -kraft bedeutend vergrößerten. In diesen Kreisen war schon früher die Idee eines Profanschulsystems aufgetäueht. Im Jahre 1913 war aus Anlaß des Regierungsjubiläums Wilhelms II. ein Schulfond von M. 50 000 abgesondert worden, die den Grundstock für dessen Aufbau bilden sollten, aber erst ,,die schwere Sturm- und Drangt periode der allerersten Nachkriegszeit hat dem, langen Spiel der Gedanken ein Ende bereitet“. Die Religion selbst, alle Sittlichkeit war in Gefahr. An! 13. März 1919 faßte die Gemeindebehörde’ den einstimmigen Beschluß, eine höhere Schule für Knaben und Mädchen zu errichten und zu Ostern wurden schon 2 Klassen :mit .etwa 100 Schülern eröffnet, die im Gebäude des .Rabbinerseminars, später in anderen provisorischen Räumen Unterkunft fanden. Es sollte ,,ein Erziehungszentrum werden für die gesetzestreuen Juden Berlins, dessen Aufgabe es war, mit dem Geiste der Thora sämtliche Fächer; zu durchdringen und zusammenzustimmen, zugleich die verschiedenen Gesellschaftsklassen sozial irgendwie auszugleichen“. Schwierigkeiten jüdischer Kinder in öffentlichen Schulen waren ausgesprochenerweise nicht maßgebend. 1921 wurde der bisher an mehreren Orten, auch in Palästina pädagogisch tätig gewesene Dr. N. Schlesinger zum Direktor berufen, unter dessen Leitung der Ausbau der Schule zum vollen Realgymnasium und Mädchenlyzeum seinen Anfang nahm. 1925 erhielt der Plan die behördliche Genehmigung, nachdem bereits 1924 der in NW, in der Nähe" des Bahnhofes Tiergarten an der,־ Spree