Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die höheren jüdischen Schulen Deutschlands
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829975-2829977-2849475--50281-2849571- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
61 ist 1883 eine sog. Israelitische Töchterschule hervorgegangen, die seither mit der Entwicklung des allgemeinen, öffentlichen Unterlichtes gleichen Schritt hielt. Laut Statut vom Jahre 1884 waren die Lehrgegenstände der Schule im wesentlichen die der Hamburger Volksschule, wozu natürlich die Lehren der jüdischen Religion kamen, sowie Kenntnis des Gebetbuches. Schon früh bestrebte sich die Schule, ihren Zöglingen eine höhere Bildung, besonders in den fremden Sprachen zu geben, so daß sie bereits 1912 der Abteilung für das höhere Schulwesen der Oberschulbehörde unterstand. Anläßlich der demokratischen Neuregelung des reichsdeutschen Unterrichtswesens nach dem Kriege verschwand auch hier die Vorschule, hingegen wurden an die vier Grundschulklassen einerseits 4 weitere Volksschulklassen, andererseits ein Höherer-Mädchen״ Schulzug von 6 Klassen angeschlossen. Ihrer alten höherstrebenden Tradition treu, entschloß sich der Vorstand der Töchterschule 1926 die oberen Klassen nach den; Plänen der Realschule unterrichten zu lassen, was eine noch größere Volkstümlichkeit der Anstalt zur Folge hatte. ,,Das stets wachsende Interesse für die neuen Bildungsziele, der Zwang des: Berechtigungswesens, sowie die allgemein erschwerte Ue.bergangsmöglichkeit. in die deutsche Oberschule“ brachten es mit sich, daß der Vorstand der Deutsch-Israelitischen Gemeinde auch die organische Weiterentwicklung der Schule ins Auge fassen mußte. So wurde denn in den letzten Jahren die Akademisierung der Lehrkräfte weitergeführt und beendet, die Lehrmittelsammlung für Physik und Chemie erweitert, so daß im April 1930 die Höhere Mädchenschule behördlich als Realschule anerkannt wurde mit dem Recht, ein Reifezeugnis auszustellen, das ohne Prüfung zum Eintritt in die Obersekunda einer staatlichen Qherrealschule berechtigt. Die 10 Schülerinnen der U II haben dieses Zeugnis zum erstenmale Ostern 1930 auch erhalten. So besitzt denn heute die Hamburger Gemeinde entsprechend der Talmud Tora-Reals.chule auch für Mädchen eine Volks- und Realschule, die den Kindern aller Gemeindemitglieder offen steht. Die Schule (Carolinenstr. 35) ist eine Institution der Gemeinde und wird von ihr unterhalten, wobei die Grund- und Volksschulklassen schulgeldfrei sind. Seit 1924 untersteht die Anstalt, die 56 Jahre hindurch von Frl. Mary Marcus geleitet wurde, Dr. A. Jona s, dem insgesamt 23 Lehrkräfte zur Seite stehen, darunter 3 Nichtjnden. Die Zahl der Schülerinnen betrug im letzten Semester 334. Der Religionsunterricht umfaßt in der Volksschule 5, in der Realschule 4 Wochenstunden. Als Lehrziel hat sich die Schule zur Aufgäbe gestellt, die Verbindung des jüdischen mit dem allgemeinen Kulturbewußtsein zu vollziehen. c) Ts r a e 1 i' t i s c h e M ä d c h e n. - R e a 1 s c h u 1 e. Die Schule wurde im Oktober 1893 auf Anregung des Oberrabbiners Dr. S, Spitzer und einiger Herren, gegründet, denen es Herzenssache war, ihren Töchtern eine strengreligiöse Erziehung verbunden mit profaner höherer Bildung zu gehen. Aus. kleinsten Anfängen (Beginn mit 7 Schülerinnen) hat sich die Schule, im Läufe