Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die höheren jüdischen Schulen Deutschlands
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829975-2829977-2849475--50280-2849570- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
60 stück erworben und den Errungenschaften der modernen Pädagogik entsprechend umgebaut. Zur Ausbildung der Handfertigkeit wurden neue Werkräume geschaffen, für die praktischen Schüferübungen in den naturwissenschaftlichen Disziplinen spezielle Lehrmittel beschafft, ein Schulgarten zur Belebung des Interesses an der Natur angelegt, für die Pflege des Sportes, des künstlerischen Zeichen- Unterrichtes und der Musik wurde Vorsorge getroffen. All diese neuzeitlichen Einrichtungen sollen durch eine geplante Jubiläums- Stiftung ihren weiteren Auf- und Ausbau finden. Die Talmud Tora-Schule besitzt als einzige unter den jüdischen Anstalten keine Mädchenschüler; sie wird durch zwei jüdische Mädchenschulen ergänzt (s. unten). Was das Schülermaterial anbelangt, scheint die ehemalige Gleichartigkeit desselben in jüngerer Zeit abgenommen zu haben, da auch liberalere Kreise und solche, die die sozial-humanitären Institutionen der Schule in Anspruch nehmen wollen, die Anstalt in größerem Maße aufsuchen. Die Zahl der Schüler beträgt im Durchschnitt 450—500, die der Realschüler 220. Während des Krieges sind nach der im Schulhause angebrachten Gedenktafel 5 Lehrer und 122 Schüler gefallen. Von den 25 Lehrkräften der Schule sind 12 akademische Herren, 3 technische Lehrer, die übrigen mit seminaristischer Vorbildung; 3 sind Nichtjuden. Der Religionsunterricht wird — im Prinzip — nur von ,,weltlichen“ Lehrkräften erteilt> die die facultas für höhere Schulen besitzen, um so diesem Gegenstand auch äußerlich größeres Gewicht und Bedeutung zu verleihen. Im hebräischen Unterricht, der im Durchschnitt 8 Wochenstünden in jeder Klasse umfaßt, überwiegt, wie mir scheint, das methodisch durchdachte Studium der Bibel; ja des Pentateuchs. Mit der Mischna wird zwar schon in V der Anfang gemacht, aber ,,wer vom Elternhause nicht genügend Wissen und Anregung mitbringt,. wird bei uns kein Talmudgelehrter.“ Für den Talmudunterricht hat die Talmud Tora-Schule eine eigene Ausgabe dreier Traktate in didaktischer Bearbeitung erscheinen lassen. Im allgemeinen durchweht ein frischer, den Problemen des Lebens erschlossener Zug den ganzen Unterricht, wie er auch aus den ,,Mitteilungen än die Freunde‘* spricht, die Direktor und Lehrerkollegium am Vorabend des Jubiläums versendet haben. ,,Nicht mehr in der Pflege der Verstandeskräfte allein, sondern in der allgemeinen Ausbildung und Erweckung.der im Jugendlichen schlummernden Anlagen des Gemüts, der schöpferischen Phantasie und des das Ich schaffenden Wollens sollte hierfür die Schule ihre Aufgabe erblicken.“ ,,Das alte, durch Tradition geheiligte Ziel der Talmud. Tora mit besseren, zeitgemäßen. Mitteln zu erreichen, heißt die Losung.“ ,,Aus einer Lehrschule soll eine Lebensstätte der Jugend werden.“ b) Mädchen sr hule der D e u t s c h - I s r a e 1 i t i s c h e n : Gerne i n d e. Das' Mädchenschulwesen der Hamburger Judenheit kann ebenfalls auf eine mehr als hundertjährige Vergangenheit zurückblicken. Aus der Verschmelzung einer privaten Israelitischen Mädchenschule von 1798 mit der Mädchenschule der Deutsch-Israelitischen Gemeinde