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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 58

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 1
Article
Die höheren jüdischen Schulen Deutschlands
Date
1931-01-01
Page
Seite 58 (sequence 11)
Language
German
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58 kuratoriunis, und wird dessen Majorität ebenfalls von der Gemeinde״ vorstehung delegiert. Das Kuratorium als Patronatsbehörde wählt Lehrer und Direktor, die statutengemäß der konservativen Richtung angehören müssen. Seit 1. April 1929 leitet Dr. E. Klibansky — wie fast sämtliche Direktoren der behandelten Schulen ein Mann vgn kaum . 30 Jahren — mit jugendlicher Kraft und ־ Begeisterung die Anstalt. Aus finanziellen Notwendigkeiten mußte anfangs 1929, die Koedukation eingeführt werden, die natürlich Notbehelf bleibt und in allen hebräischen Fächern, im Turnen, Singen, Biologie aufgehoben ist. Aus der Gemeinschaftserziehung, besonders aus dem verschiedenen Tempo in der geistigen Entwicklung der beiden Ge״ schlechter, ergaben sich Schwierigkeiten pädagogischer Natur, weshalb die Absicht besteht, das Mädchenlyzeum so bald als möglich von unten aus wieder getrennt aufzubauen. Im Reformrealgymnasium wurde zu Ostern 1930 die Unterprima eröffnet, zu Ostern 1932 soll das erste Abiturium stattfinden. Heute besuchen insgesamt 103 Knaben und 75 Mädchen die 8 Klassen der Jawne, von denen etwa 50% ostjüdischen Eltern, 40% konservativen und 10% liberalen Kölner Kreisen entstammen. Als Grund״(Zubringer)schule dient die Uebungsvolksschule Morijah des Lehrerseminars, die sich ebenfalls in demselben Schulgebäude befindet. Trotz des Um- und Zubaues, der im letzten1 Jahre aus.־ geführt wurde, wobei der Schulhof auch durch einen benachbarten Garten vergrößert wurde, dürften die Schulräumlichkeiten der Jawne, die manchmal sogar ineinander münden, bald enge werden, besonders da sich in den jüngsten Sexten ein steigender Andrang fühlbar macht. Die Lehrer, an Zahl 17, darunter 4 Nichtjuden, werden nach staatlichen Grundsätzen besoldet und in eine allgemeine Pensionskasse eingekauft. Der Lehrplan schließt sich dem für Reformrealgymnasien gültigen an, bloß für Religion sind statt der 2 obligaten Wochenstunden wahlfrei 7—8 in. der Klasse erlaubt, ebenso eine Arbeitsgemeinschaft der höheren Jahrgänge im Dienste der jüdischen Wissenschaft. Das Lehrziel in den jüdischen Disziplinen lautet : ein Abiturient soll imstande sein, eine mittelschwere Talmudstelle zu extemporieren; die dazuführende Methode des Unterlichtes — meint Dr. Klibansky — hängt ganz vom Lehrer ab: ist er der hebräischen Umgangssprache mächtig, möge er es mit der direkten Lehrweise versuchen, im allgemeinen wird es wohl bei. der vermittelnden Lehrmethode bleiben müssen. Angenehm berührt das freundschaftliche Verhältnis, das in dieser Stadt des Hochklerus nicht bloß zwischen der Judenschaft und der städtischen Bevölkerung besteht, die für die jüdischen Kinder eine eigene, dreistöckige Volksschule errichtet hat, sondern auch zwischen den einzelnen Richtungen und Parteien innerhalb der Gemeinde. Sie befehden sich wohl prinzipiell, können sich aber auf gemeinsamer Plattform einigen. Als Resultat derartiger Politik mag ich jenes — diesen Sommer eröffnete — geräumige Jugendheim betrachten, in dem sich sämtliche jüdischen Jugendgruppen und Vereinigungen Kölns —~ es mag deren mindestens ein Dutzend geben — zu .einer sozialen Arbeitsgemeinschaft finden und verbinden konnten.;

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