Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die höheren jüdischen Schulen Deutschlands
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 8)
- Language
- German
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Unterricht1, Anstellung auch ausgesprochen konservativer Lehrer), ebenso die Anzahl der wöchentlichen Religionsstunden auf 5 erhöhte . Davon entfallen 3 auf Bibel, Gebetbuch, 2 sind dem Geschichts- und Gesinnungsunterricht gewidmet. Im weltlichen Unterricht war und blieb es der Ehrgeiz des Philanthropins, mit den modernen Strömungen der Pädagogik, mit den besten Lehranstalten des Reiches gleichen Schritt zu halten. Jüngst war z. B. in den Blättern zu lesen, daß Geheimrat Walter, der Schöpfer der ,,Musterschule“ und Altmeister der ,,direkten“ Methode 1m neusprachlichen Unterricht, die 0 II. des Philanthropins unter Leitung ihres englischen Lehrers eingeladen habe, an der Universität eine Probelektion der direkten auditiven Sprachmethode vorzuführen, deren Schallplatten eben Direktor Driesen bereits vor 20 Jahren zusammengestellt und herausgegeben hat. In den ,,Bau־■ steinen praktischer Pdagogik, 125 Jahre Philanthropin“, die Driesen aus benanntem Anlaß herausgebracht hat, besprechen einzelne Lehrer Prinzipien, Methoden ihres Faches, während er selbst lesenswerte Gedanken über ,,Erziehung zur Freude, als sittlicher Grundhaltung“ veröffentlicht. In den Dienst solcher Erziehung stellt Driesen u. a. auch den von Berthold Otto übernommenen ,,Gesamtunterricht“, den er bei seinem Amtsantritt 1921 als pädagogische Neuerung eingeführt hat. Sämtliche Zöglinge der Anstalt werden von ihm allwöchentlich einmal versammelt, zu familienmäßiger, ungezwungener Aussprache über alles, was ihr Interesse erregt, ihr Herz bewegt. ,,Hier sprechen, nicht Schüler, nicht ,,Zöglinge“. Da sprechen Menschen. Einander und dir innerlich voll gleichberechtigt. Werdende, Wachsende, Ringende, Tastende, Suchende, Fragende, Zweifelnde, Hoffende, Träumende, Besinnliche und Stürmische. Alle aber j ung in der Spannung des Zukünftigen, des kommenden Unbekannten, alle gegenwartfreudig und doch innerlich nur der Zukunft zugewandt, ganze Menschen, noch ohne künstliche Trennung nach Fächern und Zeiten des Stundenplans. Ungebrochen in ihren Empfindungen, beneidenswert einseitig in Vorliebe und Abneigung. Der Gesamtunterricht sagt ihnen: Hier bist du Mensch, hier darfst clu’s sein. Und nur Mensch.Mit so schwungvollen Worten umschreibt der Jahresbericht 1928/29 diese, Einrichtung, deren Themen er auch mitteilt. Ein:־ wirklich verblüffender Reichtum an Interessenkreisen, die die heutige Jugend beschäftigen. Und unter den mannigfachen Fragen auch jüdische: die Dreyfus-Affaire, die Ausgrabungen in Mesopotamien, moderne Strömungen im Judentum, Hirtenkultur und Hirtenkultus (Schofar), Pröfeten und Völkerbund, Was geht heute in Palästina vor? Daniel uild seine 3 Freunde (dramatisiert), hebräische Namen im Deutschen usw. Ueberhaupt scheint der jüdische Charakter der Schule neuerdings auch in der Lektüre, in 1 J. B. Levy setzt ihm in den ״Bausteinen“ ein ziemlich hohes Ziel. ״Den Schüler zu befähigeh, selbständig (d. h. ohne die Eselsbrücke der Ueber■׳ Setzung) die Bibel zu lesen und verständnisvoll sich an ihr zu erbauen, im stillen Kämmerlein oder im Gottesdienst.“1 Ja er versucht für.den Scluilgäng des Philanthropins ״die hebräische Grammatik zur Vorbildung grainmätisclilogischen Denkens schlechthin'zu gestaltend; ' s ־