Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die höheren jüdischen Schulen Deutschlands
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 7)
- Language
- German
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54 eine vom Senior Prof. Dr. Caro verwaltete Lehrmittelkasse aber sorgt dafür, daß sämtliche Zöglinge umsonst oder für ganz geringen Preis alle Schulbücher erhalten. Alle Bemühungen der Schule um Unterstützung vom Staate scheiterten bisher an dem tragisch anmutenden Bescheid, die Gemeinde hätte vor 1914 auf dieselbe verzichtet. III. Philanthropm, Frankfurt a. I. Als ein Schulwerk von ganz anderem Zuschnitt und Ausblick stellt sich die andere höhere Schule Frankfurts dar, die im Rahmen der dortigen Großgemeinde und doch auch unabhängig von ihr ihr Erziehungswerk vollführt. Rechtsträger des Philanthropins als Person öffentlichen Rechtes ist nämlich der autonome Schulrat, der von Anfang an als sein einziger Vertreter nach außen gilt. Gleichzeitig ist er nach innen Patronatsbehörde, die es ,,trotz ihres engen Zusammenhanges mit der Gemeinde immer als höchste Pflicht erachtete, daß die Erzieher geistig frei und unabhängig bleiben". Aus gemeindepolitischen Erwägungen. bildeten sich wohl hier und da gewisse Schwierigkeiten in der Geschäftsführung zwischen Schulrat und Gemeindevorstand heraus, der aber nie so weit ging, den Leistungen der Schule nahezutreten oder deren Etat zu kürzen. Mit besonderer Wärme und Feierlichkeit kam die Anerkennung, die der Schule von Gemeinde, Elternrat; Stadt, Universität und noch ferner stehenden Körperschaften entgegengebracht wird, bei ihrem 125 jährigen Jubiläum am 1. Dezember 1929 zum Ausdruck, das sich sinn- und stilvoll der Zweihundertjahrfeier Lessings und Mendelssohns einfügte. Den Idealen dieser beiden Männer : der freigeistigen deutschen Kultur, der historischen jüdischen Gesinnung und doch zugleich der allgemein gültigen ״Menschenliebe“ hat die Schule zu jeder Zeit treu gedient1. Auch der staatliche Dezernent bei Verleihung der ersten Reifezeugnisse betont in ähnlichem Sinne, ,,daß hier ein ,europäisches Gymnasium' geschaffen werden solle, daß der Geist der Schule neben dem Nationalen auch das Uebernationale, Menschliehe pflegen müsse, ganz im Sinne Goethes und aller ״guten Europäer". Vom jüdischen Standpunkte aus erläutert ein Festartikel folgendermaßen das Programm des Philanthropins: ״Ohne den Schülern irgendeine jüdische Richtung auf drängen zu wollen, lehrt und lebt das Philanthropin die jüdische Weltanschauung in ihrer Auseinandersetzung mit Zeit und Umwelt" (Isr. Familienblatt, Hamburg, 28. 11. 1929). Dementsprechend kann auch der Geist des Religionsunterrichtes nur der ,,der, gegenseitigen Duldung und des Verständnisses für den Standpunkt des anderen" sein, wie sich J. B. Levy ebendort vernehmen läßt. Im Jahre 1917 kam es unter dem Direktorate Salo Adlers dazu, daß im Philanthropin getrennt konservativer und liberaler Religionsunterricht erteilt wurde; dei: jetzige Leiter, Studiendirektor Dr. Otto D r i e s e n; schaffte diesen pädagogischen Mißstand bald ab, in dem er den Konservativen manche Zugeständnisse machte (Kopfbedeckung im hebräischen: 1 Siehe meine näheren Ausführungen in MGWJ 1914.