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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 53

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 1
Article
Die höheren jüdischen Schulen Deutschlands
Date
1931-01-01
Page
Seite 53 (sequence 6)
Language
German
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53 Der äußereti Lage gegenüber tonnen wir den inneren Aufbau dieser Schule desto festgefügter, geschlossener nennen. ,,Wir wandeln hier auf ausgetretenen Pfaden", — sagt uns der derzeitige Direktor Dr, M. Elias, der seit der Pensionierung E. Finks die Anstalt leitet, wobei er sich der Vorteile dieses Vorgehens ebenso bewußt ist, wie er dessen Nachteile kennt. Prinzipienstärke, feste Gesinnung, Ueberzeugungs treue, ,,damit Du dem Epikureer zu antworten weißt", durchwehen den ganzen Unterricht, auch den weltlichen, der von ausgewählten Kräften der deutschen Orthodoxie erteilt wird. Waren solche nicht da, so wurden Nichtjuden herangezogen (derzeit bloß 2 Turnlehrer), tertium non datur. Naturgemäß liegt aber das Hauptgewicht des erzieherischen Unterrichtes auf den jüdischen Fächern, die mit etwa 40 Wochenstünden bedacht sind. Recht früh wird mit der Pflichtenlehre des Schulchan Aruch begonnen. Dem folgt bald (von VI.) ein wohlorganisierter Talmudunterricht (zum Teil aus dem Hamadrich), der von wahlfreien Stunden in der sog. ,,kleinen Jeschiwa" unterstützt wird. In diesen Fächern kommen dann in besonderem Maße Geist und Wort des Meisters zur Geltung. Man mag irgendwelche Unterrichtsstunde unterer oder oberer Stufe besuchen, Räbb. Kirschs Gedankengänge, seine Bibel- und Gesetzeserläuterungen, Chorebsche Symbolistik und Ethymologie hören wir auf Schritt und Tritt. Den so vorgezeichneten Weg verfolgt die Schule mit Eifer und Liebe und anscheinend mit Erfolg. Einer ihrer verdienstvollen Lehrer, Studienrat Dr. Schüler, hat auf Grund langjähriger Arbeit die Statistik der ehemaligen Zöglinge der S. R. Hirsch-Schule zusammengestellt, über deren Ergebnis er in der ,,Vereinigung ehemaliger Hirsch-Schüler1" folgendermaßen berichtet: 6—7000 Kinder haben die Anstalt seit ihrer Begründung besucht; mehr als 1300 Knaben und 1000 Mädchen haben seit 1876 die oberste Klasse mit Schluß- Zeugnissen verlassen. Was ihre geistig-religiöse Entwicklung anbelangt, ״blieb eine stattliche Majorität, und eben in den Versuchsvollen Zeiten des ־Nachkriegs, der Vätersitte treu, gestaltete auch ihre Lebensführung in diesem Sinne. Eine große Anzahl ehemaliger Schüler wirken in der jüdischen Oeffentlichkeit an führender Stelle; sie bildeten zu aller Zeit eine Kerntruppe, deren Glieder an manchen Orten dem orthodoxen Judentum überhaupt erst den Boden bereitet haben." Diesem Gemeingeist mag es wohl in erster Reihe zu verdanken sein> daß die Synagogengemeinde: Frankfurter Isr. Religionsgesell- Schaft in wahrhaft aufopferungsvoller Weise für diese ihre Haupt- Institution sorgt, deren Stiftungskapital ich seinerzeit mit M. 611 856 angeben konnte und deren Jahreseinnahmen an Spenden mehr als M, 25 000 ausmachten. Heute tragen Stiftungen, Spenden spärliche Beträge, hingegen entfielen von den Rm. 717 000 Ausgaben des letztjährigen Gemeindeetats nicht weniger als Rm. 161 000 (22%) auf die Realschule (M. 490 auf jeden Schüler), aufs ganze Schulwerk aber, Volksschule und Jesdiiwa mit inbegriffen, Rm. 258000, d. i. 36%. Trotzdem werden ungefähr % der Schüler vom Schulgeld befreit, 1 Siehe ״Mitteilungen“ a. a. O.

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