Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die höheren jüdischen Schulen Deutschlands
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 5)
- Language
- German
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52 Rabbiner, auch,, einige Nicht juden nebenamtlich; ihre Besoldung beträgt 90 Prozent der staatlichen Lehrer. Die ordentlichen Lehrkräfte gehören der staatlichen Versicherungskammer an. Auch der Lehrstoff folgt den allgemeinen Landesvorschriften, bloß für Religion sind 4 obligate Wochenstunden erlaubt und als Wahlfach Mi.schna und Gemara. Die Erfolge sind — schon infolge des geringen Klassen- Standes — zufriedensteilend; wir genossen mit Vergnügen eine Gesangsstunde/in der die Kleinen liebliche Sabbatgesänge (nicht Semiroth), drollige hebräische Liedchen, Rätsel u. dgb zum Vortrag brachten und sie —- auch verstanden! Materiell hat die Schule mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Ihr ganzer Jahresetat beträgt nach Angabe des Vorstandes ca. Rm. 75 ÜQO, dessen größter Teil durch Vereinsbeiträge und Spenden an den ,,Isr. Schulverein<f gedeckt wird. Zuschuß leistet der Verband der Bayrischen Israelitischen Gemeinden, sowie die Kultusgemeinden von Fürth und Bamberg, auch die Logen der B. B. — II. S. R. Hirsch-Schule, Frankfurt a. M. Der Musteranstalt der Fürther Schule, hat S. R. Hirsch Richtung und Programm gegeben, seit ihrem 75. jährigen Jubiläum (1929) auch seinen Namen. Leider hatte eben diese Schule unter der Ungunst der Zeiten am meisten zu leiden. Noch im Jahre 1919 wollte der damalige Direktor Dr. G. Lange die Realschule zu einer Vollanstalt ausbauen, auch ein Mäcen hatte sich bereits gefunden, aber die Ausführung des Planes verzögerte sich und mußte endlich unterbleiben. Ebenso schwanden im Laufe der Nachkriegsjahre die der Realschule angeschlossenen Fortbildungsklassen und die das, Ziel des Mädehenlyzeums weiterführende Frauenschule. Das. Reichs- Schulgesetz von 1926/27 nahm ihr, wie allen höheren Schulen, die Vorschulklassen, deren Schüler und Schülerinnen seither die alte Volksschule der Religionsgesellschaft überfluten, so daß jene im letzten Schuljahre 384Knaben und 368Mädchen 752 Zöglinge hatte. Die Realschule selbst, die seit 1888 das Oeffentlichkeitsrecht besitzt, d. h. ihre Prüfungen — soweit man von, öffentlichen Prüfungen überhaupt noch reden kann — unter dem Vorsitze ihres. Direktors in ihren eigenen Räumen abhält, verfolgt: nach wie vor die Ziele der Oberrealschule. Jedoch scheint ihre Schülerzahl, die jederzeit auch eine beträchtliche Anzahl von, Ausländern auf wies, die hier ״mit profaner Bildung gepaarte Tora“ suchten und fanden, neuestens Schwankungen unterworfen zu sein. Sie betrug im letzten Semester 172 Knaben und 162 Mädchen, die in den beiden Flügeln des. Anstaltgebäudes recht geschickt getrennt derart Unterkunft finden, daß sie die im Mittelbau untergebrachten Turn-, Zeichnen- und Gesangsäle beiderseits benützen können. Seit Jahresfrist besitzt die Schule im Ettlingersehen Kinderheim, in Hofheim das behördlich anempfohlene Landheim, wohin die Zöglinge von September bis Mai klassenweise abwechselnd mit ihren Lehrern geschickt werden, um an Stelle des starren Unterrichtes 14 Tage freieren, familiären, also gut jüdischen Lehrbetrieb zu genießen1. * 1 Eine Schilderung desselben in den ,,Mitteilungen für ehemalige Schüler und Schülerinnen der Hirsch-Schule“, April 1930. ־• N*.