Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die höheren jüdischen Schulen Deutschlands
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 4)
- Language
- German
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51 auswärts geprüft wurden, und die Berliner Anstalt wurde von Anfang an als Realgymnasium gedacht. Wenn Fürth und Frankfurt (Hirsch- Schule) bisher diesen Weg noch nicht gegangen sind, so liegt es weniger an ihrem, guten Willen, der vorhanden ist, als an dem Mangel der Mittel. . In : finanzieller Hinsicht haben sämtliche Anstalten in der Zwischenzeit'mächtige Erschütterungen mitgemacht. Nicht so sehr während des Krieges selbst, :;}yvo die Not an Menschen .eigentlich größer war, als die Not an •Mitteln“, — wie mir der eine Direktor schreibt. :,,Im allgemeinen war ja damals bei der Unsicherheit der Lage die .Gebefreudigkeit größer“, und die hielt auch in den Jahren der Inflation noch an. Erst der nachfolgende Sturz aus den Wolken, der alle Werte plötzlich wertlos machte, verursachte die schwierige Lage auch der jüdischen, auf Stiftungen und Spenden aufgebauten Anstalten. Damals erlitten die alten Schulen ihre große Einbuße an totem, wie lebendigem Kapital. Die neuen־ aber konnten schwer ihre Grundlagen befestigen. Nur die Hamburger erlebte durch die Freigebigkeit ihrer Staatsmitbürger einen ungewöhnlichen Aufschwung. In folgendem behandle ich die einzelnen Schulen im zufällig gegebenen,, zeitlich-örtlichen Nacheinander unseres erwähnten Besuches, dessen Eindrücke ich nachträglich durch freundlichst gewährte Aufklärungen, gern ergänzen konnte. Gedrucktes stand mir diesmal viel weniger zur Verfügung, als voriges Mal: Jahresberichte fehlen seif .1915 fast vollständig, zwei Festschriften (Hamburg und Breslau) sollen erst in nächster Zeit erscheinen. Um Wiederholungen zu vermeiden, muß ich, was geschichtliche Entwicklung und allgemeine Charakteristik der einzelnen Anstalten betrifft, auf meine frühere Darstellung verweisen. I. Isr. Realschule, Fürth L B. . Die; Schule ist..heute noch sechsklassige Realschule mit dem Lehrplan und der Klasseneinteilung der bayrischen Mittelschulen; sie bewohnt heute noch. das ursprüngliche Schulgebäude, das an seiner Gassenfront, auf einfacher Marmortafel den Namen: ,,Israelitische Realschule“ trägt. Im engen, von rauchgeschwärzten Feuermauern umgebenen Schulhof empfängt uns eine lebhafte Schülerschar, Knaben und Mädchen gemischt: für uns-die erste Ueberraschung, daß. in dieser streng konservativen ־; Umgebung die Koedukation — wohl aus rein finanziellen Gründen— annehmbar, durchführbar war. Unter den Kindern fällt uns ein mächtig gebauter, die übrigen an Kopfeshöhe überragender Falaschajunge. ins Auge, den der tat־; kräftige Dr. Faitloyitsch •nebst einigen seiner Stammesgenossen in deutschen jüdischen; Schulen unterrichten läßt, damit. sie einmal Lehrer, Vorbilder ihrer Landsleute werden; im übrigen stammen die■ Schüler zum überwiegenden Teile aus Fürther und anderen süd־; deutschen, gesetzestreuen Familien.. , Die Anzahl der Schüler beträgt in den. 4 Volksschulklassen 39 Knaben und 38 Mädchen, in der Realschule 59 und 26, insgesamt also 162 Zöglinge. Direktor der Anstalt war nach dem Ableben Dr. A. Feilchenfelds 5 Jahre hindurch Dr. M, Elias, dem Fritz Prager im Amte folgte, Lehrer besitzt die Schule derzeit 3 für die Volksschule,; 6 für die Realschule, darunter einen 4*