Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die höheren jüdischen Schulen Deutschlands
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 3)
- Language
- German
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- Seesen 1× ep/1048106
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50 gangenheit zurüqkblicken, fast spurlos aus dem. ־Kreis, des .־■jüdischen Schulwesens. Eine Tatsache, die. zum Nachdenken anregt! Ich möchte nicht das viel gebrauchte, oft mißbrauchte Schlagwort der Assimilation an wenden, die, wie Saturn, ihre, eigenen Kinder verzehrt■ Aber das eine ist sicherlich zu behaupten, daß mit dem toten Mammon allein, durch mächtige Stiftungen und glänzende Einrichtungen eine jüdische Lehranstalt auf die Dauer, nicht .zu erhalten ist. Seesen und Wolfenbüttel entbehrten schon seit lange jenes geistigen, seelischen Hinterlandes, jenes lebendigen Interesses einer gleichr gestimmten Gemeinde, die ihre Ideale nur in dieser Anstalt ver«: wirklich! sieht. Sobald also ihre innere. Zweckmäßigkeit aufhörte, hatte auch ihre äußere Notwendigkeit ein Ende und die Stockung der materiellen Mittel zeigte und offenbarte nur den Mangel ־ideeller Werte.; - .Daß es wirklich ,,der Geist ist, der sich den Körper schafft“, beweisen am überzeugendsten jene drei neuen, jüdischen Schulen, die — sozusagen als Ersatz für die verlorenen — im letzten Jahrzehnt sich unter ganz andersgearteten Umständen in Köln; Berlin und Breslau gebildet haben.. Sie entstanden fast zur gleichen Stunde während der ,,Irrungenund Wirrungen, die dem Zusammenbrachdes alten Reiches folgten, als mit der proklamierten sozialen und staatsbürgerlichen Befreiung auch alle Bande sittlicher Scheu sich zu lösen und in der Anarchie unterzugehen drohten“, — wie im Rückblick dereinen Schule zulesen ist. Alle drei erwähnten Städte hatten gute, jüdische Schul Überlieferungen, — und die neuen Schöpfungen knüpften zum Teil an jene an —, aber zu führender jüdischer Bedeutung gelangten diese Stätten doch erst durch die große Einwanderung aus dem Osten, die der Krieg zur Folge hatte. Breslau als Einbruchss teile, Köln als westliche Grenzstation und Berlin, die Hauptstadt des Landes, hatten mächtige Judenmengen in sich aufzunehmen, welche — sobald sie festen, sicheren Boden unter ihren Füßen fühlten — durch die ihnen in wohnende Hochspannung auch die in der heimischen Bewohnerschaft schlummernden Kräfte zu schaffender Tat aufstachelten. So beginnen denn gleichzeitig Anfang 1919 drei Schulanstalten ihr Werk, vorerst noch in Stille und Eingezogenheit,־ aber mit allen Voraussetzungen weiterer Entwicklung. Ueberall waren es konservative Minderheiten, die die Notwendigkeit jüdischer Schulen einsahen und bis; heute dieses Schulwerk erhalten. Dadurch würde der Schwerpunkt des ganzen deutsch-jüdischen Schulwesens nicht nur örtlich von den alten, urgewohnten Kulturstätten Süddeutschlands nach dem Norden und Osten verlegt; er verschob sich auch, was Richtung und Weltanschauung anbelangt, stark nach rechts. — Was bei einer allgemeinen Betrachtung des Unterschiedes von damals und jetzt noch ins Auge fällt, ist das Bestreben der Schulen, sich — ganz im Geiste der Zeit — zu Vollanstalten zu entwickeln, d. h. das Recht der Reifeprüfung zu erlangen. Das Philanthropin ging in dieser Beziehung voran, indem es bereits im Kriege seine Reförmrealgymnasialldassen parallel mit Oberrealkursen aüsbaute, die Hamburger Talmud Tora und die Kölner Jawne werden in diesem bzw' nächstem Jahr ihre erste Reifeprüfung abjialten, Leipzig hatte 14 Semester hindurch ebenfalls Privatklassen, wenn sie. auch