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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 43

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 1
Article
Jüdische Grabsteine und Urkunden aus der Steiermark
Date
1931-01-01
Page
Seite 43 (sequence 14)
Language
German
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43 getätigten Geschäfte. Die Geschäfte dieser Männer, wie auch ihr Geschick, ihre Flucht vor dem Grafen v. Cilli, über die schon Ros., a. a. O., 8 ff. wertvolles Material beigebracht hat1, wird noch Gegenstand einer erschöpfenden Darstellung sein müssen und bieten auch unsere Urkunden einen wertvollen Baustein für dieselbe. Denn die Geschichte dieser beiden Moses und Chatsims hat ja im 14. Jahrhundert eine ziemlich geraume Zeit nicht allein die Juden Oesterreichs, sondern auch die darüber hinaus in aufregender Spannung gehalten, indem in ihre nicht unbedeutenden Schuldforderungen eingegriffen worden ist und sie überdies eine Zeitlang die Flucht ergreifen mußten. Die hier abgedruckten Urkunden aber sollen gleichzeitig den Beweis erbringen, daß es nicht angeht, allein den deutschen Text der vorhandenen Urkunden abdrucken zu lassen, sondern daß für uns auch vom kulturhistorischen Standpunkte aus der hebräische Text große Bedeutung, namentlich soweit es die Nomenklatur anbelangt, hat. Aus dem Vergleiche der in den hebräischen Texten verzeichneten hebräischen Namen mit den ihnen entsprechenden volkstümlichen deutschen, aber auch slowenisierten Namen erhalten wir einen, wie erwähnt, auch kulturhistorisch nicht unwichtigen Einblick in die Namenkunde der Juden in der Steiermark im Mittelalter, die uns noch lange nicht genügend ausgeschöpfte Beiträge zur Namenkunde liefern und so eine wertvolle Ergänzung zu Zunzens Arbeit über ,,Die Namen der Juden“ (Gesammelte Schriften, 2. Band, Berlin 1876, S. 1 ff.)2 bieten wird. Wäre diese Arbeit schon geschrieben worden, wir hätten nicht ein solches Herumtappen um die Richtigkeit der Namen und solche irrige Schlußfolgerungen aus Namen ziehen gesehen, wie sie tatsächlich ,,JüdischesArchiv“, Wien 1928,11,1. bis 2.Heft, S. 22, Anm.4, in bezug auf den in steierischen Urkunden so häufig vorkommenden Namen ,,Chatschim“ gezogen wurden. Nachdem dort zuerst der richtig korrespondierende hebräische Namen ,,Hajim“ unter Frage- Zeichen gestellt, dann auf die Möglichkeit auf ,,Joachim (sic!)“ hingewiesen wird, wird zum Schlüsse ital. Giochin Chatschim gesetzt und daran die Vermutung geknüpft, daß die in unserer Urkünde I genannten beiden Moses und Joachim Ahnherren der Morpurgos (in Triest) wraren. Vielleicht waren sie sogar italienischen Ursprungs, denn — so heißt es dort weiter — im Venetianischen wird Giaciuto (Joachim) Jatschiuoto ausgesprochen. Worauf der Verfasser seine Vermutung, daß diese italienischen Ursprungs waren, gründet, ist ganz unverständlich. Und was die Ahnherrenschaft anbelangt, hätte er mit demselben Rechte auch die Familie Säcerdote usw. von diesen Männern abstammen lassen können! Hätte der Verfasser aber Einblick in die Originalurkunden genommen, er würde gesehen haben, daß Chatsim der volkstümliche Ausdruck füt Hajim ist, indem ,,j“ im mittelalterlichen Slowenisch, wenn es 1 Vgl. auch Scherer, Die Rechtsverhältnisse der Juden in den deutschösterreichischen Ländern, Lpz. 1901, S. 465. 2 Zur weiteren Literatur über die Namen der Juden vgl. man jetzt auch Jüd. Lexikon, Berlin 0. J. IV, 383 ff.

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