Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jüdische Grabsteine und Urkunden aus der Steiermark
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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42 XV. Sehr klobig gehaltene Inschrift auf einem nach rechts abgespaltenen Grabstein, dessen Dimension ich nicht kenne. Der Stein wurde dem am Montag, den 12. September 1379, verstorbenen Rabbiner Abraham gestellt. ב1 2 גבר דבי3 מת3 המנהל4 אברהם 5 שפטר ביום ב, 1ר1אש6 השנה קם תנצבה 7 Urkunden. Die folgenden namentlich Juden in Marburg a. Dr. (jetzt Maribor) und Cilli (derzeit Celje) betreffenden Urkunden bieten uns allerdings nur einen geringen Einblick in die Wirtschaftsgeschichte der Juden in der Steiermark im Mittelalter, sind aber typisch für viele ähnliche Urkunden. Urkunden I bis IV bieten uns überdies einen Einblick in die von den beiden Moses aus Marburg und Chatsim aus Cilli 1 Deutlich zu sehen, vielleicht 2. Buchstabe des Wortes רב. 2 Phrase entlehnt b. Büllin 59b, wo es heißt: אריא דבי עילא. Vgl. Schorr, החלוץ VII 32. Diese Phrase wurde im Mittelalter sehr häufig auf Grabsteinen bedeutender Männer verwendet. So z. B. heißt es auf der Grabinschrift des berühmten Jehüda Löwe b. B©zale-1, Oberrabbiners von Prag: אריה דבי מילאה ותתאה גבר, vgl. Lieben גל עד, Prag 1856, s. 3, Nr. 8. 3 Mir will scheinen, daß der letzte Buchstabe ein ת ist, wir hätten darum zu lesen בת. Sollte hingegen der Buchstabe ein די, dann könnte בה, allerdings diakritische Punkte sind nicht sichtbar, Abkürzung für בורכו הרב sein. 4 Aus diesem Worte ersehen wir, daß es sich um eine führende Personlichkeit, wahrscheinlich einen Rabbiner, handelt. 5 Da wir nicht wissen, wieviel von dem Steine nach rechts abgesprengt worden ist, können wir auch nicht wissen, ob nicht diesem Namen noch ein anderer Namen vorangegangen ist. Doch glaube ich dies nicht. Denn da in der 3. Zeile von rechts nach links nur das Wort עילא und auch in den anderen Zeilen nicht viel fehlen kann, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß der Name dieses Rabbiners Abraham war. Wir hätten somit jetzt neben Israel Isserlein einen zweiten bedeutenden Rabbiner in Marburg zu verzeichnen. Ob dieser Abraham identisch ist mit dem bei Ros., a. a. O., 161, im Jahre 132ל lebenden Abraham dem Behem von Marchpurch wird sich vorläufig nur schwer sagen lassen. Wenn er dieser sein sollte, dann stammt unser Abraham aus Böhmen. 6 Es ist kein Zweifel, daß am Anfänge ein ר fehlt. 7 In der letzten Zeile sind die 3 letzten Buchstaben der Eulogie תגצבה noch deutlich zu lesen. Neben diesen 3 Buchstaben haben noch weitere 4 nach rechts geschriebene Buchstaben die diakritischen Punkte. Die nächsten 2 Buchstaben sind nicht zweifelhaft, es sind die Abkürzungen [תהי נשבתו |נ&שן• Was die weiteren 2 Buchstaben anbelangt, die den Zahlenwert angeben, so ist klar ersichtlich, daß der erste von rechts nach links eingemeißelte Balkenstrich abgerundet, der ihm folgende gerade ist, was auf die Buchstaben קם hindeuten würde. Unser Stein wäre demnach dem am 2. Neujahrstage (Tisr!) 5140 (Montag, den 12. September 1379) verstorbenen Rabbiner Abraham gestellt worden sein.