Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jüdische Grabsteine und Urkunden aus der Steiermark
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 6)
- Language
- German
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35 Fassung auf1. Wenn nun auch die Ausbeute aus diesen Bruchstücken für die damalige Geschichte eine nicht sehr große ist, so ist aber anzunehmen, daß, wenn einmal neue Bruchstücke diesen hinzugefügt werden, wir dann ein besseres und klareres Bild über das Innenleben der Juden in der Steiermark in der damaligen Zeit erhalten werden. A. Graz. a) Noch vorhandene Steine. I. Ein aus Kalkstein bestehender Grabstein, der ungefähr in der Mitte durchgebrochen ist, mithin jetzt aus zwei Bruchstücken besteht, von welchem das eine, der obere Teil, etwas größer als das zweite Stück ist. Höhe 1,12 m; Breite 0,56 m und Dicke 0,16 bis 0,21 m. Der Stein ist, um daß die Schrift gerade geschrieben werden könne, liniert und ist die tief eingemeißelte Schrift wenn auch nicht sehr gefällig, wozu auch das immerhin brüchige Material beigetragen haben mochte, dennoch sehr deutlich und weist auf eine geübte Hand hin. Der Grabstein wurde gesetzt einem im 12. Lebensjahre verstorbenen Knaben Pinehäs, dem Sohne Mogehs und der Malka, der am 16. Marhegwän 5189 (26. Oktober 1428) beerdigt worden ist. Da die Mutter allein auf dem Steine als Trauernde verzeichnet steht, so wird sie beim Tode ihres Sohnes bereits Witwe gewesen sein. מלכה2 מבכה על בנה רכה כי נשלבה3 בקבר נמוכה4 בשאול5 עת6 7 * * * י״בד 1 Grabstein I. 2 Ob wir ״Milkäh“, ähnlich dem Namen der Tochter yäräns, des Weibes des Näbör (Gen 1129 u. s.) oder aber ״Mälkäh“ (— Königin) ein im Mittelalter und in der Neuzeit bei Juden häufig gebrauchter Frauennamen, vgl. Margulies טיב גיטין, Warschau 1884, II 31, Anm. 14, zu lesen haben, wird schwer zu sagen sein. Allerdings finden wir in den steier. Urkunden des Mittelalters einmal eine ,,Milkäh“ verzeichnet, vgl. Ros., a. a. O. 45 u. 94, da aber in nachbiblischer Zeit מלבה, um es von קלבה zu unterscheiden, gewöhnlich plene geschrieben wird, also מילבה, werden wir hier aller Wahrscheinlichkeit nach מלבה zu lesen haben. 3 Des Reimes willen wird statt des mask. נשלב, das grammatikalisch unrichtige fern. נשלבה (siel) gebraucht. 4 Da קבר im Bing, nur mask. gebraucht, im PI. allerdings sowohl mask. als auch fern. (vgl. Ges. HW13, 18ל, s. v.), wird, so ist auch hier des Reimes willen das gramm. unrichtige Fern, verwendet worden. 5 Nach ב'ל eine merkwürdige Tautologie. Es besteht aber kein Zweifel darüber, daß בשאול eingemeißelt ist. 6 So lese ich den letzten Buchstaben. Der Yerf. des Inventurzettels (I) las allerdings irrig עד, doch der linke Vertikalstrich ist auf der Photographie noch deutlich sichtbar. 7 Ueber dem ב das auf allen Grabinschriften häufig vorkommende Abkürzungszeichen v. Das ,,ב“ ist ganz klar zu lesen. I. hat den Sinn ganz verkennend בשאול ארוכי biseol arücho gelesen und übersetzt: in die (vom Schicksal) verhängte Gruft (oder Unterwelt [sic!]). 3*