Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jüdische Grabsteine und Urkunden aus der Steiermark
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 5)
- Language
- German
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34 Wertvolle an diesen Steinen ist, daß ihre Inschriften uns Auskunft über drei in der Steiermark wirkende, gelehrte Männer geben, von welchen wir bislang nichts gewußt haben. Es sind dies: Josef, Sohn (Samuels?), der Schächter der Gemeinde in Graz war* 1, N. N., ein junger Gelehrter in Graz2 und Abraham, Rabbiner aus Marburg3. Diese Steine bzw. Bruchstücke zeigen uns aber auch noch ein weiteres. Sie sind schmucklos, ohne Dekor und ihre Inschriften künden in einfacher, schlichter Weise, in kargen, meist im Musivstil gehaltenen Worten Leben und Wirken der Verstorbenen. Das ist es, was diesen Steinen eine ganz besondere, ehrfurchtgebietende Weihe verleiht. Schlicht und einfach wie diese Menschen gelebt, sollte auch nach ihrem Tode die Linie der Schlichtheit nicht verlassen werden. Das ist es, was so ergreifend wirkt gegenüber dem Wortschwall und der widerlichen, oft plumpen Phrasenhaftigkeit so vieler Inschriften aus späteren Zeiten4. Allerdings muß zugegeben werden, daß die Beschaffung von Steinen in Anbetracht der wirt~ schaftlichen Lage nicht leicht gewesen sein mochte und auch die Steinmetzkunst noch mit manchen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, obschon die meisten Inschriften auf unseren Steinen einen schönen Duktus auf weisen. Die Steine und ihre Inschriften weisen sonst keine besonderen Eigentümlichkeiten auf und bewegen sich im Rahmen der Inschriften des 14. und 15. Jahrhunderts. Nur eine dieser Inschriften weist eine holprige, sprachlich unrichtige Genannten, die über diesen Grabstein geschrieben haben, noch hinzuzufügen sind: Jul. Cäsar, Annal. II, S. 351 (datiert ihn ־vom Jahre 1287 sic!); Mayer Karl, Versuch über steyerm. Altertümer, S. 88; Kindermann, Beyträge zur Vaterlandskunde usw., Graz 1790, II, S. 73 (setzt ihn in das Jahr 994 mit Abdruck von Typen in unerhörter Verballhornung) und ,,Fundgruben des Orients“, B. V, 1. Heft, S. 96, wo der Stein in das Jahr 1389 verlegt wird. Wenn darum in der Zeitschrift: Der Aufmerksame, Graz 1818, Nr. 145 dem Verf. in den Fundgruben vorgeworfen wird, er versetze die Abfassung des Steines in das Jahr 400 v. d. g. Z., so ist dieser Vorwurf ungerechtfertigt, weil er dort tatsächlich in das Jahr 1389 verlegt wird. — Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch erwähnen, daß Jüd. Archiv, Heft 9/10 (NF. 3/4), 2. Umschlagseite mitgeteilt wird, ich habe S. 12, Anm. 2: Tה' 1׳ gelesen. Auf eine diesbezügliche Berichtigung hin wird Jahrg. II, Heft 1/2, S. 30 der Irrtum zugegeben, jedoch gesagt, wir hätten in den den Wörtern ר״ שבתי vorangehenden Buchstaben הנד (S. 12,1. Z. v.o.) nicht eine Abkürzung für האל נקום דמו, wie ich dort vermutungsweise ausgesprochen habe, sondern eine Abkürzung für היקר oder noch besser für הנדיב vor uns. Gewiß wäre an dieser Stelle das auch sonst in mittelalterlichen Urkunden in der Steiermark sehr oft vorkommende הנדיב an unserer Stelle besser am Platze, was mich aber bewogen hat, meine Vermutung aus zusprechen, lag in dem Umstande, daß über den 3 Buchstaben 3 diakritische Punkte stehen, die auch in der photographischen Aufnahme noch deutlich zu sehen sind und (was gewöhnlich auf 3 gesonderte Wörter hinweist, wie z. B. bei der Abbreviatur יזצל während die Abkürzung für הנדיב gewöhnlich הנד״ geschrieben wird), was wenn הנדיב zu lesen wäre, zumindest eine sehr ungewohnte Schreibweise dar tun würde und dies bewog mich zu meiner Vermutung, an der ich darum trotz der ungewohnten Stelle im Satze auch noch jetzt festhalte. 1 Grabstein VIII. 2 Grabstein X. 3 Grabstein XV. 4 Typische Beispiele hierfür sind z. B. viele Inschriften des alten Prager jüdischen Friedhofes, vgl. Lieben, גל עד, Prag 1856.