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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 32

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 1
Article
Jüdische Grabsteine und Urkunden aus der Steiermark
Date
1931-01-01
Page
Seite 32 (sequence 3)
Language
German
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32 herausgebrochen worden sind. So haben auch alle diese Bruchstücke von Grabsteinen, deren Inschriften hier veröffentlicht werden, teils in Graz beim Bau des neuen Traktes der Burg1 und teils in Marburg a. Dr. beim Bau der alten Draubrücke Verwendung gefunden2. Von Graz wissen wir, daß als Erzherzog Karl ungefähr im Jahre 1570 einen neuen Trakt der Burg hat aufführen und auch neue Befestigungswerke um die Stadt hat ziehen lassen, Bauten, zu welchen man natürlich viele Steine benötigte, die Grabsteine des jüdischen Friedhofes hierzu verwenden hat lassen3. Daß man nun sowohl beim Einmauern dieser Steine, als auch beim Ausbrechen derselben vandalisch vorgegangen ist, dafür legen unsere Bruchstücke beredtes, Zeugnis ab. Ein Teil von ihnen — vier Stück — wurden im Jahre 1835 aus dem Gemäuer der Burg am Franzensplatze herausgebrochen4 und von den Ständen dem ,,Joanneum“5 geschenkweise überlassen6. Drei dieser f Steine sind in Verlust 1 Vgl. meine Arbeit: Der jüdische Grabstein in der Burg zu Graz, Graz 1927, S. 8. 2 Ros. S. 95, Anm. 5. 3 Der jüdische Grabstein in der Burg zu Graz, Graz 1927, S. 8 und 2. Aufl., Frankfurt a. M. 1928, 8. 5, Anm. 1. Dadurch entfallen auch die in Wertheimers Jahrbuch, Wien 1858, S. 21 (vgl. MS., a. a. O., 233) aufgetauchten Bedenken, welche dahin gehen, wie es möglich war, daß die in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ausgebrochenen Steine bei dem im Jahre 1438 erbauten Teile der Burg verwendet werden konnten, da ja damals die Juden keine Verfolgung zu bestehen hatten. Nun ist aber der Teil der Burg, aus welchem die Steine gebrochen wurden, nicht im Jahre 1438, sondern, wie ich dies bereits in den angeführten Arbeiten dargelegt habe, im Jahre 1570 unter Erzherzog Karl erbaut worden, also ungefähr 75 Jahre nach der Vertreibung der Juden aus der Steiermark. Aber auch die Lösung, die Berliner a. a. O. dadurch zu geben sucht, daß uns im לקט יושר berichtet wird, daß nicht selten Christen Leichensteine vom Friedhofe weggeholt haben und solche Steine dort bei dem Aufbau der Burg Verwendung gefunden haben, ist unstichhältig, weil man dort in der Burg nicht etwa einen oder zwei Steine, sondern sehr viele Steine verwendet hat. Ebenso unstichhaltig wäre die Vermutung, daß diese Steine nach der angeblich im Jahre 1438 erfolgten Vertreibung der Juden aus Graz durch Friedrich III. beim Bau der Burg Verwendung gefunden hätten. Denn abgesehen davon, daß ich an eine Vertreibung aller Juden aus Graz damals nicht glaube — es wird vielleicht nur ein Teil vertrieben worden sein —, wird man auch schon mit Rücksicht auf die anderen in der Umgebung wohnenden Juden, die nicht vertrieben worden sind und die ja ihre Leichen auf dem jüdischen Friedhofe in Graz beerdigt haben werden, von einer solchen Demolierung abgesehen haben. Im übrigen wurden im Jahre 1447 Juden in Graz wieder angesiedelt, vgl. Ros., S. 6. Es kann also nach dem Dargelegten keinem Zweifel unterliegen, daß die Steine aus dem jüdischen Friedhofe, der sich im Zuge des heutigen Joanneumringes und des Jakominiplatzes befunden hatte, im Jahre 1570 herausgeholt worden sind. Dieser meiner Meinung schließtsich jetzt auch Popelka an, der ja ursprünglich der Meinung war, daß die Steine aus einem in der Karlau sich befindenden Friedhofe herausgeholt worden sind. Vgl. übrigens auch Popelka, Geschichte der Stadt Graz, Graz 1928, SS. 63, 189 und 214. 4 Welche unserer Stücke dies waren, läßt sich heute nicht mehr sagen, weil die Inventuren später aufgenommen worden sind. 5 Das steierm. Landesmuseum ״Joanneum“ wurde im Jahre 1811 von dem in der Steiermark wohnenden Erzherzog Johann gegründet. 6 Vgl. Fünfundzwanzigsten Jahresbericht des Joanneums, Graz 1836, S. 12. In diesem Berichte heißt es: ״Die Herren Stände übergaben vier Steine mit hebr. Inschriften aus dem Gemäuer am Franzensplatze, dann Steine mit Jahreszahlen von 1438, 1451 aus Gebäuden Kaiser Friedrichs III.“ Durch

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