Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Kleine Beiträge zu Bibel und Volkskunde
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 9)
- Language
- German
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27 Allgemein ist der. Brauch, bei jeder Beschneidung Lichter anzuzünden. Von einem besonderen Brauche berichtet 'Aharön Hakköhen S. 12 Schles.: ,,Es ist Brauch, eine Pfanne mit Feuer an den Ort zu bringen, wo man die Beschneidung vollzieht, selbst im Sommer/‘ Er zitiert dafür die uns befremdende Midraschstelle Gen. R. 479 (= I S. 475 Theodor): ״In der Stunde, da Abraham seine Hausleute beschnitt, errichtete er einen Hügel .von Vorhäuten, und die Sonne schien darauf, und sie wurden madig, und ihr Geruch stieg vor Gott auf wie Räucherwerk und Ganzopfer. Da sprach Gott: ,In der Stunde, wo seine Nachkommen zu Sünden und bösen Taten gelangen, werde ich ihnen dieses Geruches gedenken und mich mit Barmherzigkeit gegen sie erfüllen“‘.1 Wenn in Böhmen die christliche Mutter bei ihrem ersten Kirch* gang nach der Entbindung eine brennende Kerze trägt, so findet sich ein solcher Brauch schon bald nach 1300 aus anderer Gegend erwähnt bei ,Aharön Hakköhen S. 231 Schles.: ,,Am Tage, wo sie das Opfer der Wöchnerin darbringt, bringt vor ihr jeder einzelne ein Wachslicht.“ Und wenn bei der Beschneidung manche 12 Lichter, andere 13 forderten und für jede dieser Zahlen eine Stütze in der Bibel zu finden glaubten, so erwähnt im Anfang des 18. Jahrhunderts der katholische Priester Thiers, Traite des superstit. II 168, mehrere französische Rituale aus dem 17. Jahrh., wonach die Pfarrer verhüten sollten, daß bei der Aussegnung der Wöchnerin abergläubische Bräuche angewendet werden, so in bezug auf die Zahl der Kerzen am Altar; derselbe tadelt IV 366 den Aberglauben, daß bei der letzten Oelung 13 Kerzen angezündet werden müßten; ebenso III 45 den Aberglauben, daß bei einer Messe eine bestimmte Anzahl Kerzen erforderlich sei, um den gewünschten Erfolg zu erreichen. Daß noch im 14. Jahrh. der Brauch, einen Tisch mit Speisen in der Nacht vor der Beschneidung für den, Schutzgeist des Knaben hinzustellen, bestand und verboten werden mußte, obwohl doch schon mehr als 1000 Jahre früher die Tosefta verpönt hatte, vor der Wöchnerin einen Tisch zu decken (Sabb. VII 4, s. Ztschr. d. V. f. Volksk. 29 f.), ist eines von vielen Beispielen dafür, wie zäh sich überall Volksglaube behauptet. Wenn nach der Glosse zu Jöre de‘a § 178 manche Spätere2 erlaubt haben, eine מטה (— lat. Icdus, wovon ledisternium) für den מזל (Planet, Glücksstern) des Kindes zu decken, weil — wie der Kommentar Ba’er heteb bemerkt — in der Bibelstelle über den Kultus der Glücksgottheit Gad (Jes 65u)3 לחן$ Tisch 1 Hier ist als Autor R. ’Ajbu genannt, in der Parallelstelle Gant. R. IV 14 (fol. 49b der Ausg. Warschau 18לל) zu Hohel. 4e R. *Äbähü, während dort R. Lewi dasselbe von der Beschneidung des Volkes durch Josua sagt. 2 Aber schon im ,,Buch der Frommen“ § 458 heißt es: ״Das Bett des Gad ist nicht Zauberei (Aberglaube, tihrpj), weil die Sache ihnen (den Alten, s. Nedärlm 56a, b) bekannt war; denn er ist der Schutzgeist des Menschen.“ 3 Auf zweisprachigen (phönikisch-griechischen) Inschriften von Kypros findet sich בגד h wie auch die LXX Gen 30n {Qere יבא גד I&tib בגד) sv xchfl übersetzen.