Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Kleine Beiträge zu Bibel und Volkskunde
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 7)
- Language
- German
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25 er sich ja durch die bekannte Bibelstelle Sp1\ 2027 und deren Ver- Wertung in Talmud und Midrasch1 zwanglos erklären läßt2. Begreiflicherweise wurde aber in denjenigen jüdischen Kreisen, wo der Dämonenglaube spukte, ein anderes Motiv untergelegt3, das auch in der nicht jüdischen Umgebung Geltung hatte. Allerdings sagt Scheftelowitz, D. altpers. Rel. u. d. Judent. 70, mit Bezug auf den allgemeinen Gebrauch von Feuer und Liebt zur Abwehr der Leichendämonen: ,,Das Judentum hat gegen diesen piimitiven Brauch einen vergeblichen Kampf geführt/' Uebrigens ist die Vorstellung von der Seele als Licht gar nicht ausschließlich jüdisch. Der etwa 48—125 lebende Grieche Plutarch sagt (Aetia Rom. 72 p. 281 B II 294 Bernardakis): <p & c ךdp sanv ij ev7b<: Wackernagel, Ztschr. f. dtsch. Altert. VI 284, hat hingewiesen auf die scintilla der a n i m a bei Tertullian (etwa 160—220) und auf den Funken der Seele bei den Mystikern des Mittelalters (vgl. Kahle, Seele und Kerze: Hessische Blatt, f. Volksk. VI 9ff.). Die Siebenbürger Sachsen in der Gegend von Schäßburg stellen sich die Seele als Licht oder Fackel vor (v. Wlislocki, Volksgl. u. Volksbr. d. Siebenb. Sachsen 193). Nach S. Seligmann, Die mag. Heilu. Schutzmitt. 129, soll zwar in den meisten Fällen die Fackel oder Kerze alles dämonische Unheil verjagen, aber doch scheint ihm das Licht als Repräsentant der Seele aufgefaßt, wenn in Rumänien das Totenlicht genau die Länge der Leiche hat, wenn es in manchen Gegenden nach der Verwendung beim Begräbnis mit heimgenommen und an den nächsten drei Abenden an der Stelle, wo des Sterbenden Kopf lag, brennend aufgestellt wird, da die Seele dann noch zurückkommt. Er erinnert dabei an das Totenlicht während der Trauerwoche bei den Juden. Dazu verweise ich auf die Stelle in dem Ritualwerk 'Orhöt hajjim des R. ,Ahärön Hakköhen aus Frankreich (verfaßt auf Mallorca 1327—1330) S. 576 Schlesinger : ,,Weshalb stellt man das Licht auf den Boden im Trauerhause? Um' nicht zu lernen von den emoritischen Gebräuchen; nach Tos. Sabb. (VII 2) sagten sie: ,Wenn jemand das Licht an den Boden stellt, ärgern sich die 1 Sabb. 30b: ,,Besser, das Lieht des Menschen werde ansgelöscht (am Sabbat in Rücksicht auf einen gefährlich Kranken, der schlafen soll), als daß das Gotteslicht (die Seele) erlösche.“ Sabb. 32a (zu Mischna II 6: ,,Frauen sterben bei der Entbindung, wenn sie nicht gewissenhaft die Sabbatlichte änzünden“): ,,In betreff des Lichtes habe ich euch gewarnt; wenn ihr die Gebote ausübt, ist es gut, wenn aber nicht, so nehme ich eure Seele von ,euch.“ Tanhümä, ’fimör § 24 S. 98 Buber (mit Bezug auf das Gebot לסעל1ת כר תמיד Ex 2720 f.): ,,Gott sagt: ,Ich brauche euer Licht nicht; es ist nur, um eure Seele zu hüten‘, denn die Seele wird einem Lichte verglichen.“ 2 Auf dem Bibelvers Spr 623 נר מצוד! ואויר תורה beruht der Synagogenbrauch, am Feste מסת ת1ךדי^?, wenn alle Torarollen zu den Umzügen herausgehoben worden sind, ein brennendes Licht in die h. Lade zu stellen. 3 Auch der, zuerst im Minhägim-Buche erwähnte Brauch, ,,Taslik“, bei dem der Vers Micha 19ל gesprochen wird, könnte auf Grund dieses Verses entstanden sein ohne die von den Kabbalisten (s. Brück, Rabbin. Geremonialgebr. 23 ff.) dafür angegebenen Gründe.