Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Biblische Kleinprobleme
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 3)
- Language
- German
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17 Für die Beurteilung des ganzen Abschnittes ergibt sich daraus die auch sonst literarkritisch unvermeidliche Annahme, daß der erste Satz des Stückes ״Wie ein Sturmwind durchzog er Ganbul“ nicht der wirkliche Anfang der Schilderung gewesen sein kann. Zumindest mußte vorher der Name des Fürsten genannt sein, der Subjekt der Aussage ist. Kann es Kyros selbst gewesen sein? Endlich wird man nach Erkennung des Stamm- und Landnamens Ganbul, neben dem ja im weiteren Zusammenhänge 226 auch andere sonst in der Bibel nicht vorkommende Stammnamen des Tigrisgebietes genannt werden, darunter auch ש1צ, die Gesamtbezeichnung der Suti-Nomaden, zu denen die Gambulu gehörten, auch in גיא חד1ן 22! u. 6 nicht einen hebr. Geheimnamen für Babylon, sondern einen echten, hier vielleicht verstümmelten Ortsnamen einer von den Oststämmen eroberten Stadt erkennen müssen. Doch hierfür habe ich vorläufig nur unbestimmte Vermutungen. 4. Zwei Fälle falscher Vcrsabteilung.j a) Zu Gen 3139f: An dieser bekannten Stelle setzt sich Jakob mit seinem Schwiegervater Laban auseinander und hält ihm vor, wie er zwanzig Jahre lang in seinem Dienste schwer und treu gearbeitet hätte. Kein Verlust an Vieh sei Laban angerechnet worden, selbst auf die Widder der Schafe, auf die Jakob ganz wie die babylonischen Hirten der Kassitenzeit (vgl. m. Altbabylonischen Tempelrechnungen, S. 7) Ansprüche gehabt hätte, habe Jakob von vornherein verzichtet. ,,Zerrissenes habe ich nicht zu Dir gebracht, ich mußte es ersetzen, von meiner Hand konntest Du es fordern“, so sägt, offenbar in bezug auf alle Schäden, und daher wohl als Abschluß von deren Aufzählung, Jakob in Vers 39. Aber in unserem Text schließen sich daran noch die Worte גנבתי י1ם וגנבתי לילה, die man etwa übersetzt ,,das Gestohlene am Tage und das Gestohlene in der Nacht“. Grammatisch ließe sich dies nur als Apposition zu »סרפד ,,das Zerrissene“ fassen; und da das Zerrissene nicht gut auch gleichzeitig gestohlen sein kann, so müßte man immerhin einen leichten Stilfehler des Er- Zählers annehmen, der etwa sagen wollte: Ebenso auch das Gestohlene . . . Nun ist es sachlich sicherlich auffallend, daß der Hirte auch noch das Gestohlene ersetzt hätte, doch wäre es nicht unmöglich; seltsamer jedoch ist es, daß der Diebstahlsfall nach Tag und Nacht unterschieden wird, was auch schon Pseudojonathan weiter zur Distinktion von Diebstahl durch Menschen oder wilde Tiere veranlaßt. Noch stärker scheint Onkelos die Schwierigkeit empfunden zu haben, daß Jakobs Ausruf der Empörung hierin juristisehen Distinktionen endet, da er geradezu übersetzt נטרית ביסמא ונטדית בליליא ,,ich habe bei Tage gehütet und bei Nacht gehütet“. n und m vor dem folgenden b bietet dagegen keine Schwierigkeit und hat seine Analogien in allen Sprachen. Ein ganz ähnliches Beispiel wäre z. B. gr. £|ißoXov, dessen ursprüngliches v (für p.) in den verschiedenen Umschriften der rahbinischen Quellen (s. Krauß, Lehnwörter II s. v. עכבול) meist wieder zutage tritt. Monatsschrift, 75• Jahrgang 2