Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 1
Article
Einige neuere Erscheinungen zum biblischen, besonders zum prophetischen Schrifttum [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2829132-2829975-2829977-2849470--50228-2849524
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

14 wandtschaft mit irgendwelchen Untergöttern anerkennt. — Gleich-י wohl möchten, wir es im Anschluß an unsere einleitenden Worte begrüßen, daß Rabins Schrift über die philologische Forschung nicht die religionstheoretischen Grundlagen vergißt; denn ohne letzte Auseinandersetzung mit diesen bleibt gerade die Wissenschaft der Religionsgeschichte direktionslos. Das Wort hesed im alttestamentliehen Sprachgebrauche als menschliche und göttliche gemeinschaütgemäße Verhaltungsweise. Von Nelson Glueck. (47. Beiheft zur ZAW., Gießen, Töpelmann, 1927.) Die Untersuchung ist für die Gestaltung und Ausbreitung der ethischen Gemeinschaftsidee im biblischen Schrifttum von Interesse. Der Verfasser bestimmt einmal den Personenkreis, innerhalb dessen das mit hesed bezeichnete Rechts-Pflicht-Verhältnis in Geltung steht, und gelangt zu dem Schluß, daß es sich in den älteren Quellen nie um willkürlich geschenkte Gnade oder Huld, sondern eben um eine durch den Gemeinschaftskreis umschriebene pflichtmäßige Haltung handelt. Dann die Bedeutung in religiösem Sinne, wo sie, zumal in der prophetischen Literatur der Universalisierung der Gottesidee entsprechend, die richtige, allen Menschen als gleichberechtigten Gliedern der menschlichen Gemeinschaft zu gewährende Verhaltungsweise ist. Endlich hesed als göttliches Verhalten, das auf dem Grunde des durch den Gnadenakt der Bundschließung gestifteten Verhältnisses zwischen Gott und seinem Volke beruht. Die ״Alttestamentliche Religions-Geschichte“ von Max Lohr aus der Sammlung Göschen (Walter de Gruyter & Co., Berlin, Leipzig 1930) liegt in dritter, völlig neubearbeiteter Auflage .vor. Die Skizze enthält in ihrer sehr glücklichen Dosierung des Verhältnisses zwischen den unerläßlich notwendigen philologisch - historischen Voraus- Setzungen und der eigentlichen Ideengeschichte einen recht deutlichen Ueberblick über die fraglichen Probleme. Auf einige Besonderheiten sei ausdrücklich hingewiesen. Löhr sondert von Religion und Kult im vormosaischen Israel eine besondere ,,Patriarchenreligion“ ab. Diese ist von dem für jene in Anspruch genommenen Polydämonismus greifbar unterschieden durch starke Geistigkeit und Intimität, durch sichere Distanzierung von naiver Naturhaftigkeit des allgemein semitischen Dämonenglaubens. Besondere Aufmerksamkeit ist der religionspsychologischen Fundamentierung der Prophetie gewidmet. Indem die ekstatisch-pathologischen Wandlungen des prophetischen Ichbewußtseins stark unterstrichen werden, daneben aber der Beitrag des normalmenschlichen Eigengehalts scharf umschrieben wird, gelangt Löhr dazu, in Jeremia bei aller anerkannten Großartigkeit seiner religiösen Persönlichkeit einen gewissen Abstieg von ursprüngliehern und eigentlichem Prophetentum zu sehen. Er will den sich hier auf subjektiv-persönlicher Grundlage aufbauenden Individua״ lismus als die wirksamste Quelle für den humanen Universalismus in der alttestamentlichen Religion ansprechen. Vielleicht ist hier der andere Ursprungsort für die universalistische Tendenz unterschätzt, den von Arnos ab das sittliche Gefühl an der sich im Völkerleben offenbarenden göttlichen Strafgerechtigkeit entdeckt bat. Ueber die ״gesetzliche Frömmigkeit“ wird mit völliger Vorurteilslosigkeit geurteilt, indem die Tatsache hervorgekehrt wird, daß die Religiosität

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.