Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Einige neuere Erscheinungen zum biblischen, besonders zum prophetischen Schrifttum [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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15 der .Psalmisten und Weisheitslelirer, deren subjektivistische Innerlichkeit kein Mensch bestreiten kann, sich erst unter der Herrschaft des Gesetzes entfaltet, also von diesem mindestens nicht gehemmt wurde. So glaubt Löhr auch nicht an die den Propheten häufig zugeschriebene grundsätzliche Feindschaft gegen den Kultus. Die israelitische und jüdische Religion hat vielmehr die deutliche Richtung auf Erziehung zu kraftvoller lebendiger Willensbetätigung, innerhalb derer, wie an einigen Stellen betont wird, für den Erbsündengedanken kein Platz ist. Charakteristisch für die Grundeinstellung Löhrs zum Wesen der A. T.-Lehre sind am Schluß seine Zitate aus dem rabbinischen Schrifttum, welche für das Gesetzesjudentum beweisen wollen, daß lautere Menschlichkeit ihr Ziel ist. In der Sellin-Festschrift, Ernst Sellin zum 60. Geburtstag dargebracht, sind eine Anzahl Beiträge zur Religionsgeschichte und Archäologie Palästinas vereinigt (Leipzig, Deichert, 1927). Exegetische Sonderprobleme werden von A. Alt, W. Caspari, L. Dürr, J. Herrmann, H. Schmidt, W. Staerk, C. Steuemagel behandelt, religionsgeschichtliehe Fragen von A. Jirku, R. Kittel erörtert. Erich Seeberg leistet einen methodologischen Beitrag ,,Zum Problem der pneumatischen Exegese“. Dazu kommt ein historischer Aufsatz von W. F. Albright, Egypt and Palestine in the Third Millenium B. C.; endlich einige Miscellen aus verschiedenen Gebieten, aus denen ,,Der Festbecher“ von H. Greßmann besondere Aufmerksamkeit verdient. Biblische Kleinprobleme II. Von H. Torczyner in Berlin. 3. Ein verkannter Volksname in der Bibel. Jesaja Kap. 21 schildert bekanntlich die Eroberung Babyloniens durch die elamitischen und medischen Stämme und hat darum doch wohl die Zeit des Kyros im Auge, wenn auch dieser nicht ausdrücklich erwähnt wird. Sehr seltsam ist nun gleich der erste Vers der Schilderung, der folgendermaßen lautet: מ&א מדבר״ים כפופות בנגב לחלוף ממדבר בא מארץ נוראה: Das der Ueberschrift ,,Rede über die Meereswüste“ folgende Sätzchen hat immer Schwierigkeiten geboten. Rein syntaktisch ist längst aufgefallen, daß es unmöglich heißen kann: ,,Wie Stürme im Südland z u ziehen“, und durch Korrektur oder Umdeutung des Verses hat man eine Aussage daraus gemacht und übersetzt etwa: ,,Wie Stürme, die das Südland durchziehen (was allerdings die starke Textänderung יחלופו oder gar תחלפנה voraussetzen würde), (so) kommt er aus der Wüste, aus dem furchtbaren Lande“. Aber abgesehen von der textlichen Schwierigkeit und davon, daß der Negeb, die Südsteppe des Landes Juda, hier, wo es sich um Elam und Babylonien handelt und ein Vergleich mit dem Sturmwind schlechthin genügen würde, ganz unnötigerweise herangezogen scheint, bietet derselbe Vers in der Tat gleich darauf ein aussagendes Zeitwort, und es liegt daher gewiß am nächsten, auch das erste Verbum syntaktisch ganz