Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Einige neuere Erscheinungen zum biblischen, besonders zum prophetischen Schrifttum [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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13 liehe Wissenschaft sich nicht genug darin tun, die Anfänge in der Väteraber auch in der Mosesreligion zu verkleinern, und dem Heidentum zu nivellieren. Rabin gibt nun eine kritische Darstellung dieser Bemühungen, .welche die Fülle der auf dieses Ziel angesetzten Versuche in ihren Kerngehalten analysiert. Er begnügt sich nicht mit den Hauptrichtungen; sondern indem er an der Weitschichtigkeit dieser Literatur die Vielfältigkeit der einander oft widerstreitenden kritischen Standpunkte zeigt, erreicht er mindestens eins: zu erweisen, auf welch lockerem Boden die kritischen Theorien aufgebaut sind. Man wird mit ihm annehmen müssen, daß der Schlüssel zur Lösung des Problems der Patriarchenrehgion in der Beantwortung der Frage liegt, welche Art von Kontinuität zwischen dem Auftreten des Moses und der israelitischen Vorzeit bestanden hat. So ist der breite Raum gerechtfertigt, den in der Arbeit die Untersuchung über das Wesen des mosaischen Gottes (Ursprung und Wesen der J-Religion) einnimmt. Denn erweisen sich die gerade den biblischen Berichten von Aegypten und Sinai unterbauten Hypothesen als hinfällig, so ist zwar noch lange nicht ein ,,Monotheismus‘‘ der Erzväter bewiesen; aber es ist zum mindesten dem unvoreingenommenen Forscher die Aufgabe gestellt, mit der wie selbstverständlich geltenden These von der gemeinsemitischen Religion der israelitischen Vorzeit zu brechen. Statt von den als ,,heidnisch“ gedeuteten Spuren der Vätergeschichte ausgehend, diese gänzlich als polytheistisch oder polvdämonistisch zu deuten, erwüchse vielmehr die Forderung, darüber Rechenschaft zu geben, wie die doch ebensowenig wegzuleugnenden Ansätze einer höheren und sogar hohen Gottesvorstellung zu erklären seien. Denn dafür allein die Quellenhypothese verantwortlich zu machen, sieht doch stark danach aus, sich ihrer als höchst unzulänglichen deos ex machina zu bedienen. Diese Schwierigkeiten in der ganzen Breite der dazu herbeigezogenen Literatur aufgewiesen zu haben, ist der wichtige Ertrag dieser Schrift. Nicht ganz so wie diesem philologisch-historischen Bemühen vermögen wir den religionstheoretischen Aeußerungen des Verfassers zuzustimmen. Wohl ist er im Recht, wenn er die qualitative Unterschiedenheit von Heno- und Monotheismus betont; auch das ist richtig, daß die auf dem Boden der Religion gedeihende Ethik ihre Vollendung nur im Kreise des Monotheismus finden wird. Dagegen erscheinen uns die ethischen Möglichkeiten unterschätzt, die auf heno-, ja auf polytheistischem Grunde erwachsen können. Man braucht da gar nicht auf ägyptische, griechische oder indische Beispiele einzugehen. Durchschlagend ist ein anderes. Die universale Ethik entsteht nicht innerhalb eines sozusagen dogmatischen Monotheismus, vielmehr bricht — wie mir die Betrachtung der prophetischen Religiosität deutlich zu zeigen scheint — der Glaube an den einen vollkommenen Gott unwiderstehlich dort durch, wo das Sittliche gefühlsmäßig sich als höchster Wert und unnachgiebige Forderung erweist. Das sittliche Bewußtsein wartet nicht auf den einen Gott, der es legitimiert; wo sich vielmehr im religiösen Geist das Sittliche regt, von ihm als das Eine, was nottut, begriffen wird, da stößt es alle Ressortgötter beiseite, nicht eher ruhend, als bis es in dem sittliehen den einzigen Gott gefunden hat, der dann freilich keine Ver-