Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Einige neuere Erscheinungen zum biblischen, besonders zum prophetischen Schrifttum [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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11 Vätertradition manifestierenden Idee und dem faktischen Zustand der auseinanderstrebenden Teilreiche ein. Und indem in der Fremde und unter der Fremdherrschaft der groß-israelitische Gedanke zum beherrschenden Ideal erwuchs, sei die Erzvätertradition in der spezifisch judaisierten Form, wie sie vom Priesterkodex ab in den spätesten Schriften des Kanons entwickelt wurde, geradezu zum Kennzeichen des Judentums geworden. Das letztere wird richtig sein; aber die von Galling behauptete schroffe Gegensätzlichkeit der verschiedenen Ueberlieferungen ist keineswegs damit bewiesen, daß dann und wann die eine oder die andere schärfer hervortritt; denn von einer inneren Unvereinbarkeit kann keine Rede sein. In einem gedruckten Vortrag handelt Georg Beer über die Frage ״Welches war die älteste Religion Israels?“ (Gießen, Töpelmann, 1927). B. nimmt als zwar nicht bewiesen, aber doch höchst wahrscheinlich an, daß die israelitischen Eindringlinge — d. h. die Scharen, die sich in den Genesis-Geschichten als die Erzväter und ihre Sippen vorstellen — jedenfalls den einheimischen Kulten weitestgehende Zugeständnisse gemacht haben werden. Das führt freilich so wenig zur Annahme einer israelitischen Eigenart wie die Hypothese, daß Jhw, der machtige Gott von Kadesch, das von den Kenitem und Midianitern verehrte Numen, auf all die zu seiner Kultstätte kommenden Karawanen und Wanderer — warum eigentlich bloß auf die israelitischen? — einen großen Eindruck gemacht habe. Doch sei erst Mose von ihm mit einem besonderen Auftrag bedacht worden, woraus sich die durchgängige Identifizierung dieses Gottwesens mit dem Gott der Väter in den pentateuchischen Quellen erklärt. Als ehemaligem Naturwesen stehen ihm die verschiedensten Dämonen zur Seite. Aber was wir über sie von B. hören von Haus-, Ehe-, Familien-, Seuchenusw. Göttern, ist so allgemein und paßt so genau zu dem gemeinsemitischen und nicht bloß zu diesem Polydämonismus, daß danach, von einer wirklich greifbaren vormosaischen Religion kaum die Rede sein kann. Um so weniger, da betont wird, daß all diese Gestalten und ihre Engelscharen für das Leben der Menschen offenbar eine weit größere Rolle gespielt haben als der Großgott Jahwe selber. Als Heft 5, VII.• Reihe der Veröffentlichungen des Forschungs- Instituts der vergleichenden Religionsgeschichte a. d. Univ. Leipzig legt Adol£ Wendel eine Untersuchung über das Opfer in der altisraelitischen Religion vor (Leipzig, Pfeiffer, 1927). W. faßt in seiner Darstellung den Begriff des Opfers so weit, daß eigentlich die meisten Leistungen äußerer Art, der Gottheit zu Ehren vollzogen, darunter fallen. Und beiechtigt erscheint es, Beschneidung, Satzung von der Felde.cke, von der vergessenen Garbe darunter zu befassen, sofern sie als Reste aus dem Animismus und Dämonenglauben erklärt werden. Die Eigenart und das Verdienst' der Arbeit besteht in folgendem: Die meisten Forscher haben in dem Bestreben, das religiöse Motiv, welches der Opferidee zugrunde liegt, zu bestimmen, eine zu starke Neigung für Systematisierung und Vereinfachung gezeigt. Sie suchten die eine Wurzel aufzuweisen, aus der die Mannigfaltigkeit des Opferkultes hervorwächst. Demgegenüber will W. im Anschluß an Stade der Vielfalt und Kompliziertheit der in den Riten zutagetretenden seelischen Beweggründe nachspüren. Das