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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 10

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 1
Article
Einige neuere Erscheinungen zum biblischen, besonders zum prophetischen Schrifttum [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 und er wird es am ehesten, wenn der Ablauf des psychischen Geschehens sich der Kontrolle des wachen Bewußtseins entwindet. Hier nun tritt das Besondere, nämlich das prophetische Bewußtsein, in Kraft, indem die verdrängten, die verborgen gebliebenen Affekte da zur Entladung gelangen, was der Prophet als ein ihn von Gott her packendes Gebot empfindet, vor Volk und Land aufzutreten, um ihnen die schwere Sünde des ״Hurens“ vor Augen zu halten. — Jedenfalls ist anzuerkennen, daß der Psychoanalytiker Allwohn seine Forschungstechnik nur soweit in Anwendung gebracht hat, als sie ganz allgemein zur Durchleuchtung dunkler Seelenzustände Aufnahme gefunden hat, und daß die Ehegeschichte des Hosea merkwürdig genug ist, um den Versuch zu machen, sie mit jener Methode zu entwirren, ist zuzugeben. Womit nicht gesagt sein soll, daß nunmehr das letzte Wort über sie gesprochen ist. Mit einem, man darf sogar sagen, mit dem Zentralproblem der israelitischen Religionsgeschichte befaßt sich eine Schrift von Kurt Galling, Die Erwählungstraditionen Israels (48. Beiheft zur ZAW., Gießen, Töpelmann 1928). Der Verfasser hält es als christlicher Theologe für erforderlich, eingangs zu versichern, daß sich’s bei dieser Untersuchung über den Erwählungsglauben im A. T. nicht um die theologisch-systematische Fragestellung nach der objektiven Geltung dieses Glaubens handle, da das israelitische Volk ja den wahrhaft Erwählten als den falschen Messias ausgestoßen habe. Dieser Exkurs ins Dogmatische bleibt auf die folgende historische Untersuchung nicht ohne Einfluß. Es wird eine ,,Auszugs- und Einzugstradition“ unterschieden von den an den .Sinaibund anknüpfenden Ueberlieferungen, die beide je ihr eigenes Erwählungsbewußtsein in sich schließen. Der Verfasser sucht für sie in besonderen Traditionsketten, die aber zeitlich historisch nebeneinander laufen, die quellenmäßigen Unterlagen zu erbringen. Denn obwohl sie beide zusammengehören, sei zu beachten, daß der Bund vom Sinai stark hinter die Erwählung vom Auszuge zurücktrete. Wir müssen es als einen Einbruch der protestantischen Dogmatik in die alttestamentliche Exegese betrachten, wenn G. die Bundesidee im Sinne einer Gegenseitigkeitsbeziehung ,,für die wirkliche religiöse Erfassung des Verhältnisses von Gott und Mensch geradezu als ein Hemmnis“ betrachtet. So rücken für ihn prophetische und Psalmenstellen, welche die Erwählung im Sinne einer Selbstdarreichung Gottes an das Volk auffassen, auf ein höheres Niveau im Vergleich zu jenen uns aus den Propheten bekannten Rechtsansprüchen, die Israel auf Jhws Beistand zu haben glaubt. Wir möchten bezweifeln, ob man hier von verschiedenen Traditionen sprechen darf, ob nicht vielmehr eine in bezug auf den Gesamtkomplex der Ueberlieferung erfolgende wertende Auslese vorliegt. — Ein weiteres Kapitel handelt von den Erzvätertraditionen, die von G. nichts weniger als überzeugend in Gegensatz zu den vorangehenden gestellt werden; die Propheten hätten sie bewußt abgelehnt, wofür bezeichnend die Anspielungen (Hosea 124,5, Jer 93b) auf den Betrug Jakobs an seinem Bruder seien. Erst vom Exil ab (Ez 3324) mache sich allmählich eine Wendung geltend. Der Verfasser baut diese Konstruktion in eine Theorie vom Gegensatz zwischen der ,,groß-israelitischen“, sich vor allem in der

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