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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 9

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 1
Article
Einige neuere Erscheinungen zum biblischen, besonders zum prophetischen Schrifttum [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 der Einschmiegung des prophetischen Affekts in das ihnen immer gegenwärtige Gefühl der Lebendigkeit und Wirkungskräftigkeit der als persönlich erfahrenen Gottheit nachgegangen, und im besonderen an der Haltung zum Beten gezeigt, wie sich hier eine ganz persönliche subjektivistisch getönte Frömmigkeit ausbildet. Der Verfasser geht auch auf die Diskussion darüber ein, ob und in welchem Sinne die prophetische Religiosität sich mit mystischer decke. Allerdings kommt er hier über knappe Hinweise auf die ältere Vorstellung, die besonders von Harnack vertreten war, wonach das Alte Testament keine Mystik kenne, und auf die gegensätzlichen Buberschen nicht hinaus. Mit der lapidaren Feststellung von C. Butler ,,Mystik ist das erfahrungs־ mäßige Wahmehmen von Gottes Gegenwart und Sein“, und der Feststellung, daß sich bei den Propheten eine solche Erfahrung findet, ihre Religiosität also als mystische anzusprechen, ist nicht viel gewonnen. Man muß klar dieses offensichtlich in aller Religiosität enthaltene Element von dem eigentlich Mystischen scheiden, dieses in seinen verschiedenen Erscheinungsformen beschreiben und dann die Frage zu lösen suchen, ob und wie weit wir die prophetische Erlebniswelt mit einer dieser Gestaltungsweisen eins setzen können. An einem interessanten Spezialproblem versucht sich eine Arbeit von Adolf Allwohiij Die Ehe des Propheten Hosea in psychoanalytischer Beleuchtung (44. Beiheft zur ZAW., Gießen, Töpelmann 1926). A. hält sich von aller Abenteuerlichkeit fern. Ihm ist die Psychoanalyse kein Mittel, um die Entstehung religiöser Vorstellungen in der Urhorde zu erklären oder Riten und Bräuche mit ihrer Hilfe zu deuten, wie letzteres Reik versucht hat, sondern allein nach ihrer ursprünglichen Absicht ein Weg, um zu den unterbewußten Tat- Sachen in der merkwürdigen Ehegeschichte Hoseas vorzudringen. Seine Exegese der in Betracht kommenden drei ersten Kapitel geht mit Emendationen um so sparsamer um, als er für seine Zwecke möglichst einen ursprünglichen Eigenbericht des Propheten braucht, der nicht durch mehr oder weniger fragwürdige Konjekturen gefährdet werden soll. Diese Vorsicht ist an sich lobenswert; aber es erscheint zugleich gewagt, wie der Verfasser es tut, aus den abwechselnden Er- und Ichberichten irgendetwas Greifbares über die Ichverlorenheit des Ekstatikers, über Jhw-Beherrschtheit u. dgl. schließen zu sollen, da selbst bei zugestandener Niederschrift durch den Propheten seine uns vorliegenden Worte unmöglich als untrüglicher Spiegel der wirkliehen aktuellen Erlebnisse angesehen werden können. Wenn für uns also auch die darauf verwendete Arbeit nicht viel Ueberzeugendes an sich hat, so bietet doch das, was jenseits solcher Bemühungen übrigbleibt, Stoff genug als Unterlage für die psychologische Deutung. A. dürfte mit der Feststellung Recht haben, daß die bei Hosea auffallend häufig sich findenden Hinweise auf sexuelle Dinge den Beweis für eine besonders starke geschlechtliche Erregtheit des Mannes liefern. Im Kampf solcher geheimen Wunschregungen und unbewußten Affekte mit dem im hellen Bewußtsein wirksamen Streben des Jhwpropheten nach sittlicher Reinheit, in dem jene nicht völlig überwunden, sondern ,,eingeklemmt“ werden, entsteht jenes Hin- und Herflackern zwischen Jhwzorn und liebesdurstiger Weichheit. Nun hat ein verdrängter Affekt allenthalben die Tendenz, aktiv zu werden,

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