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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 8

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 1
Article
Einige neuere Erscheinungen zum biblischen, besonders zum prophetischen Schrifttum [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Sachen hält, nicht auf Zustimmung rechnen können. Die homiletischerbauliche Erklärung gehört sicher in ein solches Werk hinein. Aber gerade diese Interpretation kann am ehesten darauf verzichten, die Frage nach der objektiven ״Wahrheit“•aufzuwerfen und sollte sich auf die Darlegung des religiösen Sinnes beschränken. Diese Stellungnähme ändert aber nichts daran, daß Hertz5 Leistung als ein treffliches Mittel anzuerkennen ist, die gottesdienstliche Gemeinde in das Verständnis der Thora hineinzuführen. Auf zwei kleine Schriften, die sich mit dem Gesamtbild des Prophetismus befassen, sei kurz hingewiesen, eine von jüdischer Seite: A. Posner, Prophetisches und rabMnisches Judentum (Heft 3/4 der Schriften des Vereins zur Erhaltung des überlieferten Judentums) und eine von katholischer: ßupert Storr, Das Frömmigkeitsideal der Propheten (Münster i. W., Aschendorff, 1926). Posners Abhandlung stellt sich die Aufgabe, die Einheit der jüdischen Lehre rückwärts schreitend von den Propheten zur Thora und vorwärts blickend von jenen zur Anschauungswelt der Rabbinen aufzuweisen. Leider ist dieser letzte Teil, der dem Versprechen der Ueberschrift nach die Hauptsache hätte sein sollen, allzu karg geraten und bringt nur die allerbekanntesten Hinweise auf Religion und Moral des Talmud. Und doch hätte sich hier gerade vom Standpunkt des Verfassers aus nicht bloß die Möglichkeit, sondern die Notwendigkeit ergeben, an einer Fülle von talmudischen Beispielen zu zeigen, wie die Rabbinen das Menschlichkeitsideal der Propheten in überaus verfeinerten Forderungen entfaltet und weitergeführt haben, wie das, was wir bei den Propheten meistens nur in allgemeinen Umrissen sehen, hier in weit entwickelterem Individualismus erscheint. Daß P. die Auf■־ fassung des alten Liberalismus hinsichtlich der Stellung der Prophetie zum Kultwesen bekämpft, hat meine Zustimmung. Wir sind da gar nicht so weit auseinander, wie er polemisierend meint. Uebrigens sehen das auch viele protestantische Kritiker ein. Das Recht zu seinem theologischen Standpunkt wird ihm niemand nehmen. Aber auch auf diesem sollte man nicht die Gesamtheit der Gestalten, die von Arnos über Ezechiel zu Maleachi in der Bibel Propheten genannt werden, unterschiedslos als Einheit auffassen, um dann leicht Opfer- und Ritualbestimmungen bei ihnen festzustellen. Man mag die kritischen Pentateuchtheorien völlig verwerfen; aber selbst dann darf man nicht einen Beweis dafür, daß die Propheten die Thora, die ganze Thora gekannt, daraus schöpfen, daß sie an zahlreichen Stellen das Wort Thora gebrauchen. Denn was sie darunter verstehen, das ist ja gerade die Frage,'eine Frage, auf die auch unter traditionalistiscbem Gesichtspunkt einzugehen ist, wenn man einen ,,Beitrag zur Einheit der jüdischen Lehre“ schreiben will. Storrs Abhandlung ist eine gediegene Untersuchung über den innerseelischen Reflex, den die objektiven Religionsgedanken in den Propheten erzeugen, und deren praktische Auswirkung im sittlichen und religiösen Leben. Er stellt nach Ermittelung der verschiedenen Frömmigkeitstypen den der Propheten als voluntaristischen fest, für welche die sittliche Tat auf Grund von Gotteserkenntnis und Gottesliebe den krönenden Sinn bildet. Das ist aber hier nicht in der einseitigen Bedeutung eines Moralismus verstanden; vielmehr wird

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