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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 5

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 1
Article
Einige neuere Erscheinungen zum biblischen, besonders zum prophetischen Schrifttum [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 Text ־and strophischer Gliederung mit Bezeichnung der angenommenen Hebungen und Senkungen dargeboten. Da die vorgenommenen Emendationen zum guten Teil auf der hypothetischen Metrik beruhen, ist das Urteil über sie von der Stellung zu dieser abhängig. Gegenüber der früheren Annahme von P. komplizieren sich die metrischen Verhältnisse noch insofern, als zu den Doppeldreiern (Sechsfüßer), den Siebenfüßern und Fünffüßern, jetzt noch eine Anzahl bisher unentdeckter Doppelvierer treten. Ueber das Subjektive und Problematische solcher Gliederungen führt auch diese Arbeit nicht hinweg. Und daß der Verfasser selbst an nicht wenigen Stellen gerade seine metrischen Lesungen von einst durch neue Versuche ersetzt hat, macht diesen schwankenden Boden nicht stabiler. In neuer auf den gegenwärtigen Stand der Forschung gebrachter Auflage liegt vor ״The book of Isaiah“ von George Adam Smith (2 Bände, deren erster: Kap. 1—39, zweiter: 40—66 enthält; London, Hodder and Stoughton 1927). Das umfangreiche Werk, das zuerst 1888 herauskam, stellt eine literarische Erscheinung dar, wie wir sie in deutschen Schriften zur Bibel selten oder überhaupt nicht an treffen. Es will auf der einen Seite der strengen wissenschaftlichen Anforderung Genüge leisten, und so stellt es sich mitten in die alttestamentliche Diskussion hinein. Auf der anderen Seite hat es durchaus praktische Absicht: Die religiösen Gedanken des Propheten sollen, losgelöst von ihrer Zeitbedingtheit, in einer Form zu Worte kommen, die ein religiös eingestellter Leser als klare Quelle und Urgrund seiner eigenen Stimmungen und Ueberzeugungen ansehen mag. Diese zweite Tendenz, welche die oft breite, erbauliche, im besten Sinn populäre und verständliche Schreibweise bedingt, steht offenbar voran. Die häufigen Hinweise auf neutestamentliche Ideen — besonders hervortretend beim Begriff der /lezavota und bei den um den leidenden Gottes־־ kriecht gruppierten Gedanken — ergeben sich so natürlich. Dabei1 ist aber mit Genugtuung festzustellen, daß auch für diese praktischreligiöse Erfassung der Prophet niemals zu einem Vorläufer der die Wahrheit erst erfüllenden christlichen Gestalten und Anschauungen wird. Smith bleibt auch als Ausleger des Jesaia der christliche Theologe, für den Altes und Neues Testament zusammengehören. Es ist für ihn der Ausdruck tiefster Ergebenheit in den prophetischen Geist, wenn er des Jesaias Sendung charakterisiert: ,,It is here that the Spirit of God lifts the prophet to the bighest Station in prophecy — to the riehest consciousness of spiritual religion — to the clearest vision of Christ“. Aber ,,Erfüllung des Alten Bundes durch den Neuen“, die dem an seiner Glaubenslehre festhaltenden Christen gewiß sein mag, bedeutet hier nicht, wie wir es in der Regel von den sehr undogmatischen Kritikern gewohnt sind, die sachliche, vor allem die ethische Ueberhöhung des Alten durch das Neue; der Standpunkt läßt vielmehr eine objektive vorurteilsfreie Würdigung des in der alten Prophetie Gegebenen zu. Jedenfalls ist das Werk von Smith in dieser Verknüpfung von aktuell persönlichen religiösen Interessen und gediegener historischer Forschung ein klassisches Beispiel für die Art, wie noch heute die englische Tradition sich der alttestamentlichen Gefühls- und Vorstellungswelt bemächtigt und sie für ihre Gegenwart nutzbar macht.

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