Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Einige neuere Erscheinungen zum biblischen, besonders zum prophetischen Schrifttum [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 der Frage nach ihrer ursprünglichen psychischen Wirklichkeit es nicht einmal einen erheblichen Unterschied ausmacht, ob die redaktionelle Fassung durch den Propheten selber oder auf Grund seiner Aeußerungen von einem andern gemacht worden ist. Darum läßt sich auch u. E. gar nichts darüber ausmachen, ob diese Visionen der Früh- oder Spätzeit der prophetischen Wirksamkeit entstammen. Ihre Stellung im Buche Amos, die zu ändern kein zwingender Anlaß vorliegt, spricht nur für die literarische Zusammenfassung der möglicherweise durch die ganze prophetische Tätigkeit hindurch zerstreuten Erlebnisse. Wenn man, woran ja auch Weiser festhält, die Sprüche auf kurze vom Propheten ins Volk hineingeschleuderte Reden zurückführt, so ist der Boden, auf dem wir hier stehen, zum mindesten nicht weniger sicher als bei den Visionen. Ja, wir dürfen vielleicht noch eher vermuten, vieles im alten Gewände vor uns zu haben. Der Autor kommt ja auch schließlich zu diesem Resultat. Er betrachtet sogar hinsichtlich der Erhaltung der einstigen schriftlichen Anordnung der Sprüche eine allzu große Skepsis als unbegründet, wenn auch in den Kapiteln 5 und 6 der gegenwärtigen Fassung erhebliche Störungen gegenüber einer zu vermutenden Urdisposition anzunehmen sind. In der allgemeinen Reihenfolge der Sprüche, meint er, sei wesentlich die biographisch-chronologische Ordnung beobachtet; eine kaum zu erhärtende Annahme, da z. B. die die sozialen Zustände geißelnden Reden ihrem Inhalt nach sehr leicht ihren Platz miteinander vertauschen könnten und wir über das Leben des Propheten und die Zeitgeschichte doch nur eben die spärlichsten Angaben haben, die uns nicht einmal eine Vermutung darüber gestatten, wie lange seine Wirksamkeit überhaupt gedauert. Auf exegetische Einzelheiten muß hier verzichtet werden; an die Möglichkeit einer zuverlässigen Feststellung der Metrik glaubt W. nicht. Dagegen sei betont, daß großer Ernst der Ermittelung der Religiosität des Arnos gewidmet wird; und zwar ist nicht so sehr das Bestreben vorherrschend, den religionsgeschichtlichen Ort des Propheten zu bestimmen, als den überzeitlichen Eigengehalt dieser Persönlichkeit sicherzustellen. Ohne sich in fremde theologische Schemata zu verstricken und so den Propheten an äußeren Maßstaben zu messen, gelangt W. dazu, den theozentrischen Charakter der Denk- und Gefühlsweise des Arnos mit ausgezeichneter Klarheit herauszuheben und in all seinen Aeußerungen aufzuzeigen. Wie die ethischen, sozialen und politischen Gedanken als die rationalen Aus- Strahlungen eines ganz anders gearteten Kerns sich ergehen, wie sich im Propheten das Denkgesetz seines eigenen Geistes, die Logik eines neuen Glaubens offenbart, wie so der Prophet und seine Hörer im Verhältnis eines gegenseitigen Nichterfassens zueinander stehen, darüber sagt der letzte Teil des Buches vieles mit so grundsätzlicher Prägnanz, daß diesem seit langem unermüdlich umgepflügten Boden sich doch noch neue Erkenntnisse entringen. Eine nachgelassene Arbeit von Franz Praetorius ״Nachträge und Verbesserungen zu Deutero—Jesaias“ (Halle, Niemeyer 1927) gibt C. Brockelmann heraus. Die Kapitel 40—55 werden in transkribiertem