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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 3

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 1
Article
Einige neuere Erscheinungen zum biblischen, besonders zum prophetischen Schrifttum [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Zusammenhang mit dem Problem des Fehlens einer Weissagung gegen Babel neu beleuchtet wird. — Der Erklärung ist eine sich streng an den Text haltende Uebersetzung beigegeben; die ungeheure Arbeit, die gerade für dieses biblische. Buch aufgewendet wurde, zeigt eine zugefügte Auswahl aus der Literatur, die über dreihundert Nummern enthält. Ein schon durch seinen Umfang (VIII + 332 S.) aus dem Ge-־ wohnten herausfallendes Buch widmet Artur Weiser der ״Prophetie des Amos“ (53. Beiheft zur ZAW., Töpelmann 1929). Daß die Probleme der Prophetie hier noch einmal aus der Tiefe aufgenommen und gerade am Fall des Arnos behandelt werden, ist berechtigt. Denn wenn man annehmen darf, daß sich innerhalb der uns überlieferten prophetischen Schriften eine gewisse Form- und Stiltradition herausstellt, die unerachtet aller natürlich vorauszusetzenden persönlichen Selbständigkeit eine Abhängigkeit der Buchgestaltung der Späteren von den Früheren wahrscheinlich macht, so werden die überall auftauchenden Fragen vom Verhältnis des authentischen Propheten- Wortes zu der uns vorliegenden literarischen Erscheinung in der Tat am ehesten aus der ältesten dieser Schriften zu ermitteln sein. Daß, wenn irgendeiner, gerade Arnos ein Rednerprophet gewesen, leuchtet ein. Und das wichtigste Thema ist in der Tat das: Wie bringt man die geschriebenen Worte zum lebendigen Tönen in ihrem ursprünglichen Wortlaut? Ist das überhaupt möglich? Weiser disponiert wesentlich zum Zweck, den größeren oder geringeren Grad der Uebereinstimmung der uns vorliegenden Sätze mit dem tatsächlichen, vom Propheten erlebten und schriftlich fixierten Sachverhalt auszudrücken, seine Arbeit in zwei Teile: 1. die Visionen, 2. die Sprüche. Die Worte über jene sollen unzweifelhaft von Arnos selbst oder, falls man ihm die Kunst des Schreibens nicht zutraut, von einem Schreiber auf sein Diktat niedergeschrieben worden sein. Denn die konkrete Gegebenheit einer Schauung müsse sich dem visioneilen Gedächtnis tiefer und zuverlässiger einprägen, als der mehr abstrakte Sinngehalt eines Spruches, der aus bestimmter Situation des Redenden wie der Angeredeten heraus geformt, leicht den frischen Hauch ursprünglicher Lebendigkeit verlieren konnte. Das klingt plausibel, wird indes durch die Einzelerklärung der Visionen, wie sie W. leistet, nicht gerade überzeugend bestätigt. Denn wenn die Heuschreckenvision (V3) und die Feuervision (746־) ebenso wie die vom Bleilot (77-8) und die vom Obstkorb (8!2־) je untereinander in enger Beziehung stehen sollen, die zweite, die vom Feuer, überdies ,,nachträglich<c theologisiert, d. h. in eine Gottesschau umgewandelt sein soll, so scheint doch in der Zeitspanne zwischen dem Erlebnis und der schriftlichen Festhaltung, durch wen immer diese erfolgt sein mag, allerlei mit der originalen Impression vorgegangen zu sein. Das ist auch von vornherein anzunehmen. Denn wenn schon eine reelle Sinneserfahrung nach kürzester Frist kaum mit photographischer Treue reproduziert werden kann, was erst muß das Schicksal solcher im abnormen Seelenzustande wahrgenommenen inneren Vorgänge werden? Daß sie ,,echt"' sind, auf visionäre Tatsachen zurückgehen, unterliegt keinem Zweifel. Aber gerade hier wirkt das Medium hinterherkommender Reflexion so stark brechend, daß hinsichtlich 1*

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